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13.03.2017

Obsoleszenz bei Smartphone und Co.

Geplanter Verschleiß bei Elektrogeräten?

Eure Waschmaschine läuft nur so lange, bis die Garantie abgelaufen ist - danach geht sie kaputt. Und kaum ist die Garantie eures Smartphones verjährt, macht der fest verbaute Akku schlapp. Jeder kennt dieses Phänomen - doch ist dieser Verschleiß tatsächlich von den Herstellern geplant? Wir stellen unterschiedliche Aussagen gegenüber und geben euch Tipps, worauf ihr achten könnt.
 
Die gute Nachricht zuerst: Handfeste Beweise für einen geplanten Verschleiß mit absichtlich eingebauten Schwachstellen bei Elektrogeräten gibt es nicht, das sagt eine Studie des Umweltbundesministeriums aus dem vergangenen Jahr. Aber – und das ist die schlechte Nachricht: Entwicklungsingenieure haben durchaus Einfluss auf die Lebensdauer, also wie lange die der Produkte halten.
 
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Elektrogeräte landen oft bald nach Garantieablauf in der Tonne, weil sie kaputt sind.

Kurze Lebensdauer = Preiserhöhung

Wenn Hersteller die Lebensdauer von Elektrogeräten verkürzen, kommt das einer Preiserhöhung gleich, sagt uns Professor Christian Kreiß im YOU FM Interview. Der Ökonom und Autor und hat sich mit "geplantem Verschleiß" (Fachsprache: Obsoleszenz) genauer beschäftigt und erklärt: Wenn ein elektrischer Rasierer 100 Euro kostet und ihr euch damit 2.000 Mal rasieren könnt, kostet eine Rasur fünf Cent. Wenn der Rasierer so gebaut ist, dass er nur 1.600 Rasuren schafft, kommt das pro Rasur einer Preiserhöhung von stolzen 25 Prozent gleich – und ihr braucht schneller einen neuen Rasierer.
 

Fest eingebauter Akku ist gut für den Händler

Wenn ein Akku fest in ein Produkt eingebaut ist und nicht ausgetauscht werden kann – zum Beispiel bei einer elektrischen Zahnbürste oder auch in vielen Smartphones – kann der Hersteller prima planen. Er weiß dann nämlich, dass nach beispielsweise 400 Ladevorgängen der Akku des Gerätes platt ist, obwohl die Zahnbürste oder euer Smartphone an sich noch in Ordnung ist. Offiziell, so Kreiß, begründet der Hersteller den nicht austauschbaren Akku mit Sicherheitsgründen: so könntet ihr die elektrische Zahnbürste zum Beispiel auch unter der Dusche nutzen.
 
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Wenn ihr dieses Siegel auf Produkten seht, wisst ihr, dass die Lebensdauer von diesen nicht absichtlich verkürzt wurde.

Das könnt ihr tun

Es klingt simpel und abgedroschen, ist in diesem Fall jedoch ein sinnvoller Tipp: Je mehr Feature euer elektronisches Gerät hat, desto mehr kann im Laufe der Zeit kaputtgehen. Wenn ihr sie nicht wirklich zwingend braucht, kauft euch also eher Geräte mit wenigen überflüssigen Features.

Wenn ihr darüber hinaus ein bisschen mehr Sicherheit haben wollt, dann könnt ihr beim Kauf von Smartphone, Waschmaschine Rasierer und Co. künftig auf das "HTV-Life-Prüfzeichen" achten. Auch wenn geplanter Verschleiß schwer nachgewiesen werden kann, so gibt es zumindest ein Siegel für das Gegenteil. Seht ihr es auf der Verpackung, hat das Gerät nachweislich keinen geplanten Verschleiß eingebaut.
 
Redaktion: nape
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Letzte Aktualisierung: 22.03.2017, 10:49 Uhr
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