Europawahl Talisa und Maximilian
Talisa und Max sehen sich vor allem als Europäer. Bild © Pexels/YOU FM

Wir leben mitten in Europa und müssen uns wenig Gedanken über Grenzen machen: Wir können problemlos über den Kontinent reisen; irgendwo in Europa studieren oder arbeiten. In dieser Woche besuchen wir jeden Tag jemanden aus Hessen, der im Ausland lebt mit der Frage: Was feiert ihr an Europa?

Tag 5: Harald in Kopenhagen
Tag 4: Charlotte in Warschau
Tag 3: Raphael in Tallinn
Tag 2: Maximilian in Helsinki
Tag 1: Talisa in Paris

Harald: Von Rüsselsheim nach Kopenhagen

Harald in Kopenhagen
Harald hätte am liebsten einen EU-Pass. Bild © WDR

Harald ist 34, kommt aus Rüsselsheim, lebt aber seit fünf Jahren in Dänemark. Er hat dort einen sehr internationalen Freundeskreis und fühlt sich komplett als Europäer: "Leider gibt es noch keinen EU-Pass, aber vielleicht kommt das ja auch irgendwann mal."

Er hat viel von der EU profitiert - sowohl jetzt als auch schon während seiner Erasmusstation in Stockholm, erzählt Harald: "Ich musste mir keine Gedanken machen, ob ich ein Visum brauche oder ob ich hier überhaupt wohnen darf. Dann fällt es auch relativ leicht, sich zu motivieren eine Bewerbung ins Ausland zu schicken."

Charlotte: Von Fulda nach Warschau

Charlotte wollte eigentlich Russisch lernen. Aber die Kurse an der Uni Fulda gingen schon um 8 Uhr los - Polnisch dagegen erst um 17 Uhr. Jetzt lebt sie in Polen. Dort arbeitet sie als Bildungsreferentin der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Krzyżowa.

Die Hessin sieht sich als Europäerin. Ihr und ihrem Umfeld sei bewusst, wie sehr sie von der Freizügigkeit und dem Wohlstand in der EU profitierten, sagt sie. Gerade jetzt, wo die kritischen Stimmen an der EU lauter würden, sollte man Charlottes Meinung nach für die EU und ihre Werte einstehen. "Die EU ist das Beste, was Europa passieren konnte", ist die 25-Jährige überzeugt.

Raphael: Von Frankfurt nach Tallinn

Raphael ist Wirtschaftsinformatiker und hat an der Frankfurt School of Finance studiert. Jetzt wohnt er mit zwei Franzosen und einer Griechin in einer WG in Tallin. An Estland fasziniert Rapahel vor allem, dass es ein digitales Vorzeigeland ist. Außerdem seien die Leute dort sehr offen und naturverbunden.

"Europa ist für mich zum einen etwas, wofür lange gekämpft wurde und etwas, dass ich jetzt in vollen Zügen genießen darf", findet Raphael. Außerdem habe die EU einen besonderen Geist, erzählt der Wirtschaftsinformatiker, weil in ihr so viele unterschiedliche Kulturen so nah beieinander leben.

Maximilian: Von Frankfurt nach Helsinki

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Europawahl Maximilian

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Maximilian erklärt, was ihm an Europa gefällt

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Der 26-jährige Maximilian wohnt mit seiner spanischen Freundin zusammen, die er im Erasmus in Barcelona kennengelernt hat. Nachdem sie zuerst für ein paar Jahre nach Frankfurt gezogen sind, wohnen sie jetzt in Helsinki - auch, weil der Bruder seiner Freundin dort wohnt und eine finnische Frau hat.

"Ich fühle mich deutlich eher als Europäer als als Deutscher oder Hesse", sagt Maximilian. Für ihn ist seine Identität viel mehr damit verknüpft, welche Erfahrung er schon in Europa gesammelt habe und nicht nur allein in Deutschland. Er schätzt vor allem die Reisefreiheit, aber auch die vereinheitlichte Bildungspolitik, die es ihm ermöglicht, problemlos mit einem Bachelor aus Deutschland einen Master in Finnland anzufangen.

Die Finnen seien eine tolerante Gesellschaft. Dort dürfe jeder Mensch so sein darf wie er möchte, ist Maximilians Eindruck: "Wenn du denkst, der andere macht etwas komisch, dann ist das erstmal nicht etwas Komisches, sondern er macht das anders als du und es ist keine Wertung dahinter."

Talisa: Von Friedrichsdorf nach Paris

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Talisa

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Talisa erklärt, wie ihre verschiedenen Stationen in Europa sie geprägt haben

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Den Anfang macht Talisa aus Friedrichsdorf: Ihre Mutter ist Afghanin, sie spricht deshalb neben vier anderen Sprachen auch noch Farsi. "Wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme, sage ich immer, ich bin halb Deutsche, halb Afghanin, aber ich fühle mich auf jeden Fall trotzdem als Europäerin und bin stolz darauf", sagt Talisa.  

Ihre erste Bildungsstation ist noch in Hessen, sie ist in Bad Homburg zur Schule gegangen. Danach wird es international: Talisa hat in Maastricht European Studies studiert, Erasmus in Tallinn und ihren Master in Mailand gemacht. Mittlerweile arbeitet sie bei der OECD, der Oragnisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Paris. Sie sagt, sie fühlt sich "so europäisch, wie's nur geht".

EU vereinfacht das Leben innerhalb der Grenzen

Ihre Auslandsstationen haben sie geprägt, erzählt sie im Interview. Sie hat Sprachen gelernt und viel über die Kulturen anderer Länder erfahren. "Das hat mich, glaube ich, zu einem offeneren Menschen werden lassen", sagt sie. Die positiven Aspekte anderer Länder will sie mit zurück nach Deutschland tragen. Denn auch wenn sie es gerade sehr genießt, in Paris zu leben, irgendwann will sie wieder zurück nach Deutschland.

Zwar sieht Talisa auch den Bedarf, die EU zu reformieren; effektiver und integrativer zu gestalten. Trotzdem glaubt sie, dass das Leben innerhalb dieser Grenzen vereinfacht wird: "Europa bedeutet für mich Freiheit." Die Hessin schätzt die Möglichkeit, überall hin reisen zu können und überall arbeiten zu können. "Deswegen sollten wir daran auf jeden Fall festhalten", findet Talisa.

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 20.05.2019, 06:00 Uhr

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