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Benedikt, Sophie und Jill sind, was ihre Sexualität, betrifft sehr unterschiedlich. Hier erzählen sie, wie sie lernten, mit ihrer Diversität umzugehen. Bild © YOU FM

Mit einem Aufstand in der Christopher Street brachte die LGBTQ-Community eine Bewegung für sexuelle Vielfalt und Toleranz ins Rollen. Das war vor 50 Jahren. Was heute notwendig ist, um als Nicht-Hetero sexuell frei zu sein, erzählen euch Jill, Bendedikt, Sophie und TV-Moderator Jochen Schropp.

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Jill: "Befreit euch und euer Umfeld!"

Jill
Jill ist Coach und Model. Er sagt: Nur Offenheit führt zu einem freien Leben. Bild © privat

Jill (38) kam als Mann im Körper eines Mädchens zur Welt. Schon als kleines Kind trug er lieber kurze Haare und bolzte mit den Jungs Fußball. Zum Problem wurde das erst, als die Pubertät kam: Ihm wuchsen Brüste, aber er wollte ein Mann sein und mit Frauen ausgehen.

Über Homosexualität wurde damals zwar schon geredet, aber über Transgender eher weniger. "Ich wollte, dass das weg geht", erzählt Jill im Interview mit diesem Fischer. Noch im Körper einer Frau ging er Beziehungen mit anderen Frauen ein. Das "Mann-sein-wollen" würde dann schon verschwinden, hoffte er. Aber es wurde nur noch schlimmer.

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Schon als kleines Kind fühlte sich Jill als Mann. Bild © privat

Jill fühlte sich wie ein Freak und fiel in ein tiefes Loch. Freunde, die ihm helfen wollten, einen Umgang mit seiner Sexualität zu finden, machten ihn nur wütend. Es dauerte lange, bis er sich selbst akzeptieren konnte, bis er merkte, dass nur Offenheit ihn unangreifbar macht. "So, wie du damit umgehst, so reagiert auch dein Umfeld", weiß Jill heute.

Dennoch möchte er die schwere Zeit, in der er sich selbst ablehnte, nicht missen. Dadurch kann er verstehen, warum andere ihn ablehnen und ihnen souveräner begegnen – sogar ihre Haltung ändern. "Das Schlimmste, was ich mir früher hätte ausmalen können, ist zum größten Geschenk in meinem Leben geworden", sagt Jill. Sein Rat an uns alle: "Leute, steht zu dem, was ihr seid! Das befreit euch und euer Umfeld!"

Jochen: "Dass ich nicht hetero bin, wusste ich schon als Kind"

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Jochen Schropp

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Jochen Schropp über sein Coming-out

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Schauspieler und TV-Moderator Jochen Schropp hatte letztes Jahr mit 39 Jahren sein Coming-out im Interview mit dem Stern. Im YOU FM Interview erzählt er, er habe ziemlich Muffensausen davor gehabt. "Ich wollte damit eigentlich schon fünf Jahre früher raus gehen, meine Agentur hat mir aber davon abgeraten", erzählt er. Typische Schwiegersohn-Rollen für's Schauspielern wären dann schwieriger zu bekommen gewesen, befürchtete man. Somit war die Angst vor beuflichen Konsequenzen zu groß.

In Gießen aufgewachsen, hatte er nie Kontakt zu schwulen oder lesbischen Personen. Mit 15 Jahren sah er zum ersten Mal ein schwules Paar und war total fasziniert von ihnen. Ihm fehlten aber die Identifikationsfiguren, weshalb es ihm damals noch sehr schwer fiel, darüber zu sprechen. "Eigentlich will ich doch auch ein Vorbild sein", dachte er sich, wie er im Interview berichtet und entschloss sich dann letztes Jahr zu dem offenen Brief, der im Stern veröffentlicht wurde. Die Reaktionen waren insgesamt sehr positiv, vor allem von seinen Freunden.

Wie Benedikt erkannte, was normal ist

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Inzwischen kann Benedikt nicht mehr verstehen, warum man so einen Respekt vor dem Coming-out hat. Bild © privat

Benedikt (27) aus Bielefeld brauchte neun Jahre, bevor er sich zu einem Coming-out überwinden konnte. Dabei wurde ihm im Alter von zwölf schon bewusst, dass bei ihm etwas anders ist. Sein erster Impuls: googeln, um herauszufinden, was eigentlich mit ihm los ist.

Aber auf der Suche nach der sexuellen Orientierung war das Internet zu der Zeit noch keine große Hilfe. "Was dann darin gipfelte, dass ich mich in dem Sommer in einem Münsteraner Hotelzimmer mit einem Mann Mitte 30 Jahre verabredet habe", erzählt Benedikt. Dabei hatte er gar keinen Sex im Sinn.

Benedikt glaubt, diese Erfahrung habe dazu beigetragen, dass er seine Sexualität so lange im Verborgenen hielt. Erst nachdem er sah, wie locker das Thema in den Familien schwuler Freunde behandelt wurde, machte es Klick. "Du übrigens, ich glaube, ich bin schwul", sagte er seiner Mutter, als er eines Nachts mit Freunden vom Feiern nach Hause kam. "Na guck! Hab ich’s mir doch gedacht", antwortete die nur.

Sophie: "Liebe sollte man nicht in Schubladen stecken"

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Sophie hatte nie ein richtiges Coming-out – das hatte sie aber auch nie wirklich nötig. Bild © privat

Sophie (20) aus Friedberg macht eine Ausbildung zur Elektronikerin. Im Alter von ungefähr 16 musste sie zum ersten Mal darüber nachdenken, ob sie hetero, bi, lesbisch oder irgendetwas anderes ist. Denn sie verknallte sich in eine sehr gute Freundin. Das löste bei Sophie zunächst einen Schock aus, erzählt sie im Interview mit YOU FM: "Bis zu dem Tag dachte ich eigentlich, ich stehe auf Männer".

Aber sie lernte sehr schnell, sich selbst zu akzeptieren, ohne in Schubladen zu denken. Sophie dachte sich einfach: "Ey, es ist doch total egal, wen oder was ich liebe." Liebe sei so ein wundervolles Gefühl, das sollte man nicht zwanghaft in Schubladen stecken, meint sie. "Das muss man nicht typisieren. Jeder soll da einfach das finden, was er liebt und es einfach machen – nicht viel drüber reden".

Ein richtiges Coming-out hatte Sophie nicht. Natürlich musste ihre Mutter erst einmal grinsen, als Sophie ihr ganz selbstverständlich erzählte, dass sie dieses Mädchen liebt. Ein eigenständiges Thema war ihre sexuelle Orientierung aber nie.

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 19.06.2019, 05:38

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