Seenotrettung

Die Zahl der Migrant*innen, die nach Europa kommen, nimmt ab. Aber immer noch sterben viele Menschen im Mittelmeer. Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, demonstrierten mehrere Segelyacht-Crews unter dem Hashtag #Yachtfleet. Wir haben mit Mechthild gesprochen, die im Mittelmeer als private Seenotretterin unterwegs war

Menschen, die flüchten und ertrinken. Schiffe, die Geflüchtete nicht retten dürfen oder wochenlang mit ihnen vor der Küste Italiens oder Maltas liegen. Diese Woche kam die erschreckende Zahl vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen: 70,8 Millionen Menschen sind aktuell auf der Flucht - so viele wie nie zuvor.

Private Seenotretter helfen und demonstrieren

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dieser Fischer: Wer darf schiffbrüchige Geflüchtete retten?

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Um auf die Lage der Geflüchteten auf dem Meer aufmerksam zu machen, demonstrierten mehrere Segelyacht-Crews unter dem Hashtag #Yachtfleet. Initiiert wurde die Aktion von der Seenotrettungsorganisation Lifeline, die unter anderem schon von Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf unterstützt wurde. Allerdings sind nicht mehr zehn Rettungsschiffe unterwegs, sondern aktuell nur noch eins.

Mechthild Stier Yachtfleet

Auch die 27-jährige Mechthild ist eine der Helferinnen von Lifeline und ist gerade im Mittelmeer unterwegs. Wir haben sie vor Ort angerufen und sie hat uns erzählt, warum ihr diese Arbeit so wichtig ist: "Ich habe die Hoffnung, Menschen in Not zu retten."

Möglicherweise kommt nächsten Monat ein neues Schiff dazu, erzählt sie. Seit dem 16. Juni demonstriert und hilft die Schiffs-Crew auf dem Mittelmeer. Sie hat Plakate gemacht mit Schriftzügen, postet Bilder und plakatiert ihre Segel, um auf die Seenotrettung aufmerksam zu machen.

Seenotrettung

Neben der Demo wollen sie aber auch direkt Menschen retten: Mechthild erzählt im YOU FM Interview mit diesem Fischer, dass sie erst kürzlich einen Notruf von einem Fischerboot erhielten. Der Motor des Schlauchbootes sei kaputt gegangen. Es wäre schwierig geworden, das Fischerboot aufzuspüren, berichtet sie: "Es ist wie die Nadel im Heuhaufen zu finden." Glücklicherweise ging der Motor des Fischerbootes wieder, noch bevor die Retter angekommen waren.

Wer darf schiffbrüchige Geflüchtete eigentlich retten?

Früher gab es dafür verschiedene staatliche und EU-Rettungsprogramme. Aktuell ist diese Seenotrettung im Mittelmeer aber fast eingestellt, weil sich die EU Staaten nicht einigen konnten, wer sich danach um die Geflüchteten kümmert. Es gibt jetzt eigentlich nur noch Privatleute, die retten – aber ihre Rechte sind nicht klar geregelt.

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Auf dem offenen Meer ist es gesetzliche Pflicht, Menschen zu retten. Weil das Meer aber groß ist, gibt es verschiedene Rettungszonen mit unterschiedlichen Regeln. Das erschwert den Job der privaten Retter.

Vielen Rettern wird vorgeworfen, Flüchtlinge bei der illegalen Einreise zu unterstützen. Aber es geht auch um formelle Kriterien wie fehlende Registrierungen von Schiffen. Einige Politiker sind der Meinung, dass es ohne private Rettung weniger Menschen geben würde, die sich auf's Meer trauen würden. Und das hieße weniger Geschäft für die Schlepper. Das ist aber nicht erwiesen und die private Seenotrettung bleibt in vielen Fällen eine Grauzone.

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"Hier sterben die Menschen"

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Mechthild macht diese Arbeit zum ersten Mal: Sie ist für die mediale Begleitung zuständig, macht Fotos und muss lange Schichten machen – wie die anderen – da auch nachts gearbeitet wird. "Mit der Aktion wollen wir die EU zwingen, hinzusehen", sagt sie. In ihren Augen ist sie für diese Arbeit am richtigen Ort: "Die Demonstration soll dort stattfinden, wo es passiert – direkt auf dem Mittelmeer."

Wie viel mit der Aktion tatsächlich bewirkt wird, wisse sie nicht genau, gesteht sie. Aber Mechthild ist für jedes Posting dankbar, das im Netz auf die Seenotrettung aufmerksam macht. Jeder Inhalt mit dem Hashtag #Yachtfleet kann etwas bewirken, denkt sie und bedankt sich für alle Unterstützer und Helfer der Aktion.

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 21.06.2019, 14.30 Uhr

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