Kostümierte Mädchen anlässlich der jährlichen Halloween-Parade in New York -

Zur Fastnacht geht verkleidungstechnisch so ziemlich alles. Aber: Für manche Menschen sind Kostüme, die zum Beispiel Native Americans oder Chinesen darstellen sollen, diskriminierend und verletzend. Wir erklären, warum man sich auch in der fünften Jahreszeit nicht auf "das war aber schon immer so" berufen sollte.

Letztes Jahr wünschte sich eine Hamburger Kita "vorurteilsfreie Kostüme" und löste damit eine Diskussion aus. In einem Schreiben baten die Verantwortlichen der Kita die Eltern, ihre Kinder nicht als "Indianer" oder "Scheich" zu verkleiden. Zwar bekamen sie auch Zustimmung für diesen Ansatz, die negativen Reaktionen gipfelten jedoch in beleidigender Post und Häme im Netz.

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Das versteht man unter kultureller Aneignung

Kurz erklärt: Es geht um weiße Menschen, die sich mit kulturellen Elementen nicht-weißer Menschen schmücken, damit Geld verdienen oder sich damit verkleiden. Und das alles, ohne sich damit zu beschäftigen, dass diese Kostüme für Menschen stehen, die unter anderem früher verfolgt, versklavt oder ausgerottet wurden. Die Native Americans in den USA zum Beispiel oder afrikanische Völker wie die Herero und Nama in Namibia.

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Auch verschiedene Politiker*innen stiegen mit ein und machten sich zum Beispiel in einer Karnevalsrede über den Vorschlag lustig. Die Verantwortlichen der Kita erklärten im Nachhinein, dass sie keine "Moralkeule" hätten schwingen wollen. Die Einrichtung achte grundsätzlich im Kitaalltag auf eine "kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung".

An diesem Beispiele zeigt sich: Was für die einen einfach nur eine lustige Verkleidung ist, ist für andere eine rassistische Erfahrung. Manche Verkleidungen sind keine Verkleidungen, sagen die Kritiker sogenannter ethnifizierender Kostüme und sprechen dabei von kultureller Aneignung (siehe Kasten).

Kostüme werden zu einer politischen Sache

Audiobeitrag

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dieser Fischer erklärt, warum manche Kostüme tabu sein sollten

YOU FM Moderator Marvin Fischer 2019
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Hinzu kommt, dass solche Faschingskostüme oft rassistisch überzeichnet sind und es die Menschen, die dargestellt werden, so überhaupt nicht gibt. Immer wieder werden dabei auch Kostümhersteller mit der Frage konfrontiert, welche Kostüme akzeptabel sind und welche die Grenzen überschreiten.

Zitat
„Mit einer wilden Afro-Perücke [...] rundest Du Deinen wilden und animalischen Raubtier-Look perfekt ab!“ Zitat von Beschreibung eines Kostüms bei "Deiter" und "Real"
Zitat Ende

Die Unternehmen "Deiter" und "Real" verkauften beispielsweise 2019 eine Verkleidung mit dem Namen "Kleid Afrikanische Dame". Im Verkaufstext dazu stand: "Als afrikanische Dame machst Du nicht nur den Dschungel, sondern auch jede Kostüm- und Karnevalsparty unsicher! Mit einer wilden Afro-Perücke und einer dunklen Netzstrumpfhose rundest Du Deinen wilden und animalischen Raubtier-Look perfekt ab!"

Die Plattform "Was ist Rassismus" reagierte darauf und erklärte, dass insbesondere der Werbetext an kolonial-rassistische Praktiken anknüpfen würde. Die Unternehmen gaben zu, dass solche Beschreibungen "fehl am Platz" seien und nahmen das Kostüm aus dem Sortiment.

Es geht um mehr als Kostüme

Gut oder lustig gemeint, ist also nicht immer gut gemacht, stellt auch die Autorin Fabienne Sand in einem Artikel für das Onlinemagazin ze.tt fest. "Ethnifizierte Kostüme, in Onlineshops oft 'Afrikaner' oder auch 'Ureinwohner' genannt [...] reproduzieren immer das unkultivierte Bild von sogenannten Buschbewohner*innen – Menschen mit Baströcken und Speeren, primitiven Gebaren und beinhaltet manchmal sogar Blackface."

Verkleidungen wie diese vermitteln ihrer Meinung nach westliche Stereotype von vermeintlich exotischen oder fremden Kulturen. Und warum heute die Diskussion? Früher hat sich darüber niemand beschwert, weil die, um die es ging, nicht dabei waren oder nicht gefragt wurden. Inzwischen werden ihre Stimmen immer lauter, auch weil ihre Nachkommen inzwischen schon lange in Europa und in Deutschland leben und es diskriminierend finden, mit diesen alten, rassistischen Stereotypen konfrontiert zu werden.

Reflexion hilft, eine Antwort zu finden

Wie aber mit diesen Tatsachen umgehen und sich zwischen den Gefühlen "war schon immer so und soll heute anders sein" verhalten? Verbote helfen wenig, sagen auch die meisten die Kritiker*innen, weil jeder für sich selbst entscheiden müsse. Aber wer sich mit dem Thema mal genauer auseinandersetzt, hat vielleicht gar keine Lust mehr auf so ein Kostüm mit Vorgeschichte, das andere verletzt und Alternativen gibt es ja einige. Reflexion hilft auf alle Fälle.

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 21.02.2020, 15:00 Uhr

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