Akustische Ampelanlage mit Blindensymbol

Egal ob beim Einkaufen, essen gehen oder Schlange stehen, überall gilt: Abstand halten. Eigentlich ist das auch kein Problem – wenn man sieht. Verena aus Marburg ist blind und braucht durch all die neuen Regeln gerade ein bisschen mehr Hilfe als sonst.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verena erzählt Susanka und Nick, welche Probleme die Corona-Pandemie für Blinde mit sich bringt

Verena aus Marburg ist blind
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Wenn Verena unterwegs ist, hat sie immer ihren Blindenstock dabei. Damit orientiert sie sich und kann Hindernisse auf ihrem Weg erkennen. Doch in Zeiten von Corona stellen sich der 31-Jährigen ganz neue Herausforderungen: "Ich kann nicht den genauen Abstand einhalten, den ich einhalten müsste", erzählt die Studentin aus Marburg im YOU FM Interview.

Auch das Ende einer Schlange ist für sie häufig nicht zu erkennen. Während manche Menschen ihr einen Hinweis geben oder selbst Abstand nehmen, trifft Verena immer wieder auch auf Menschen, die nicht so verständnisvoll reagieren, sie anblaffen oder sogar schreien.

Neue Hindernisse durch Absperrungen oder Warnschilder

Nicht nur das Abstandhalten ist eine Herausforderung als Mensch mit Sehbehinderung: Viele Geschäfte haben den Kundenlauf oder die Ein- und Ausgänge neu organisiert, Absperrungen oder Warnschilder aufgebaut, die Verena nicht lesen kann oder es ihr unmöglich machen, sich wie gewohnt zu orientieren.

"Ohne Hilfe geht es gar nicht", sagt die 31-Jährige. Als Helfender sei es trotzdem wichtig, vorher zu fragen. "Und wenn das bejaht wird, sollte man dann noch fragen, 'Darf ich sie anfassen?'", rät Verena.

Was wirklich hilft

Denn manche Menschen meinen es zwar gut, schießen aber mit ihrer Hilfe über das Ziel hinaus. So wurde Verena schon einmal von einem Fremden aus dem Zug gehoben, obwohl sie lediglich Hilfe mit ihrem Gepäck gebraucht hätte. Das war dann zu viel des Guten, erzählt die Studentin.

Schon im normalen Alltag fällt vielen Menschen der Umgang mit Blinden, Sehbehinderten und Gehörlosen schwer, die Corona-Krise verschärft dies sogar noch.

Zunehmende Zurückhaltung

Auch Verena beobachtet, dass die Leute zur Zeit zurückhaltender sind. "Es ist schön um jeden, der trotzdem hilft und um jeden, der trotz Mindestabstand sagt, er macht das – ohne sich selbst zu gefährden", findet sie.

Mit einem Auge kann Verena noch leicht zwischen hell und dunkel unterscheiden. Doch das Tragen der Maske schränkt dieses Empfinden etwas ein: "Ich kann es gar nicht erklären, diesen Schatten, der natürlich nicht unmittelbar vor meinen Augen ist, aber der nervt mich."

Einen Vorteil habe Corona aber doch. Verena beobachtet, dass die Digitalisierung weiter Fahrt aufnimmt. Je weniger Schulen und Universitäten auf das Lernen per Stift und Papier setzen und je mehr Online-Angebote es gibt, die für Blinde bedienbar sind, desto besser für Menschen mit Sehbehinderung.

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 08.06.2020, 06:30 Uhr

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