Stolpersteine in Frankfurt

75 Jahre sind seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen. Aber Antisemitismus und Rassismus sind immer noch Thema. Die Großeltern der Jüdin Laura haben den Holocaust überlebt. Was bedeutet ihr dieser Tag? Und wie erinnern wir uns? Zum Beispiel mit tausenden Stolpersteinen, die europaweit im Boden liegen – auch in Hessen. YOU FM bringt sie zum Glänzen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Persönliche Geschichten statt abstrakte Zahlen können dabei helfen, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen, findet Laura.

Laura Cazés von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.
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Laura braucht eigentlich keinen besonderen Tag, der sie an den Holocaust erinnert. Ihre Familie ist davon geprägt, dass ihre Großeltern die sogenannte Shoa überlebt haben. Trotzdem findet sie es wichtig, dass es diesen Gedenktag gibt. "Er zeigt, dass heute in Deutschland viele Menschen Platz haben: jüdische Menschen, Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Identitäten."

Für die 29-Jährige, die heute bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland arbeitet, sind 75 Jahre keine lange Zeit, schließlich habe sie noch Erinnerung an die Erzählungen und den Schmerz ihrer Großmutter. Sie glaubt, dass es heute für diejenigen, die sich nicht angesprochen fühlen, persönliche Geschichten braucht, um das Thema nicht einfach ad acta zu legen. "Was waren das für Menschen, die in meiner Straße lebten, denen zum Beispiel ein Stolperstein gewidmet wurde? Das hat mit jedem von uns zu tun."

Stolpersteine erinnern an Schicksale

Stolpersteine in Frankfurt

Persönliche Geschichten erzählen auch die zehn mal zehn Zentimeter kleinen Steine, die – versehen mit einer Messingoberfläche – in Straßen in ganz Europa zu finden sind. Darauf: Name, Geburtsjahr und das Leid, das diesen Menschen zugefügt wurde. Eingelassen in den Gehweg vor dem letzten freiwilligen Wohnort des Opfers.

Zum Beispiel der Stolperstein von Elfriede Stein und ihrer Familie aus Frankfurt: Als einzige Tochter ihrer Eltern schaffte sie 1935 mit 21 Jahren die Flucht nach Palästina. Ihre Eltern hat sie nie wieder gesehen. Der Vater beging Selbstmord und sein Grab findet sich heute auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankfurt. Ihre Mutter wurde 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert. Dort starb sie.

Gedenkarbeit mit Hammer und Stemmeisen

Seit 1995 verlegt der Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine und möchte damit den Millionen von ermordeten Menschen ihre Namen zurückgeben. Darunter Juden, Sinti und Roma, schwarze Menschen, politisch Verfolgte, Schwule und Lesben, behinderte Menschen, Zeugen Jehovas und Zwangsarbeiter. Die Erinnerung an sie soll lebendig gehalten und Teil der Stadtgeschichte werden. Und das nicht in Form von großen Mahnmalen, sondern im Alltag, ganz nah.

Insgesamt hat Demnig bis 2019 europaweit 75.000 Steine verlegt und immer noch bekommt er neue Anfragen. Und weil viele von uns im Alltag einfach über die Steine laufen und das Messing sich verdunkelt, bringen freiwillige Putzpaten die Stolpersteine immer wieder zum Glänzen – so wie wir in der YOU FM Insta-Story.

Stolpersteine in Frankfurt

Wenn ihr auch mitmachen wollt, braucht ihr nur einen weichen Schwamm, Metallputzmittel und ein Geschirrtuch. Zuerst die Messingoberfläche mit Schwamm und Metallreiniger säubern und dann mit dem Geschirrtuch nachwischen, fertig!

"Nicht vergessen, was war"

Das ist die Devise der "Initiative Stolpersteine" in Frankfurt. Im Oktober vergangenen Jahres ist dort der 1.500. Stolperstein verlegt worden.

Weitere Informationen

Patenschaften

Jeder kann für Stolpersteine Patenschaften übernehmen. Ein Stein kostet 120 Euro, aber auch geringere Spendenbeträge sind möglich.

Ende der weiteren Informationen

13.000 jüdische Einwohner Frankfurts wurden während des Nationalsozialismus aus ihrer Heimatstadt deportiert. Nur wenige Hundert haben die Ghettos und Todeslager überlebt. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", heißt es im Talmud, einer der wichtigsten jüdischen Schriften. Es lohnt sich also, öfter mal auf den Boden zu schauen.

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 08.05.2020, 07:10 Uhr

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