Fußballwetten

Immer mehr Menschen sind süchtig nach Sportwetten. Auch der 26-jährige Marius war betroffen. Im Interview erzählt er, wie er in die Sucht gerutscht ist – und wie er wieder herausgekommen ist.

Sportwetten waren sein Leben. Acht Jahre lang hat Marius (Name von der Redaktion geändert) fast jeden Tag gezockt – und dabei mindestens 15.000 Euro verloren. Vor allem bei Fußball- und Tenniswetten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Susanka und Nick sprechen mit Marius über seine Sucht nach Sportwetten

YOU FM Moderatoren Susanka und Nick Waben
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Er konnte nicht mehr ohne den Adrenalinkick, wie er im YOU FM Interview erzählt: "Gerade im Tennis geht das ja extrem schnell, da kann jeder Punkt in jede Richtung gehen. In der einen Sekunde ist man total glücklich, dass man es noch gedreht hat und dass man jetzt wieder Geld hat. Und in der nächsten Sekunde ist es dann wieder weg."

Marius wettete immer und überall

Diese Achterbahnfahrt endete für den 26-Jährigen aber nicht, sobald er eine Wette verloren hatte. Im Gegenteil: Dann war sein einziger Gedanke, sich das Geld zurückzuholen. "In Zeiten des Smartphones muss man sich nicht mehr daheim vor den Computer setzen, sondern das kann man dann überall machen. Dann sitzt man zwar in einer Vorlesung, aber bekommt nichts mit", so Marius.

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Die Zahl der Sportwettensüchtigen steigt

Allein in Hessen haben ca. 37.000 Menschen extreme Probleme mit Glücksspielen, so die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. Darunter fallen auch etwa 4.000 Sportwettensüchtige.

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Außerdem waren die Sportwetten für ihn eine Abwechslung zu seinem belastenden Studium. Seine immer größer werdenden Zukunftsängste wischte er einfach weg und tauchte wieder in die Wettwelt ab.

"Man muss sich auch ein Lügenkonstrukt aufbauen"

Nicht nur seine finanziellen Sorgen belasteten Marius, sondern auch, dass er dabei vor allem seine Freundin immer häufiger anlügen musste. "Man muss sich auch ein Lügenkonstrukt aufbauen, das man dann auch irgendwie in Stand halten muss."

Seiner Freundin sei zwar aufgefallen, dass er immer seinen Browserverlauf löschte. Aber warum, das wusste sie nicht – denn der 26-Jährige wollte auf keinen Fall zugeben, wettsüchtig zu sein.

Heute hat Marius wieder eine Perspektive

Als nach acht Jahren allerdings sein gesamtes Geld weg war und er sein Studium abbrechen musste, weil er durch eine entscheidende Klausur gefallen war, stand der Tag der Wahrheit an: Er beichtete seiner Freundin und seinen Eltern seine Wettsucht.

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Auch Jüngere füllen online ihren Wettschein aus

60,7 Prozent der 16- und 17-Jährigen haben bereits Erfahrungen mit Sportwetten gemacht, obwohl Glücksspiele für unter 18 Jährige offiziell verboten sind. Marius plädiert deshalb dafür, das Thema Spielsucht in Sportvereinen oder Schulen anzusprechen. Auch die Hessische Landesstelle für Suchtfragen möchte mit Erklärvideos im Internet aufklären und appelliert zudem an die Politik, Gesetze zu erlassen, die Jugendliche vor der Spielsucht schützt.

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Seit Anfang des Jahres ist Marius in Therapie und hat nun auch einen neuen Job. Seitdem fühlt er sich viel besser: "Ich fühle mich aufgehoben, viel selbstbewusster, und habe einfach eine Zukunftsperspektive." Von seinen Schulden sind noch 5.000 Euro übrig. Die möchte er so schnell wie möglich zurückzahlen und so endgültig der Sportwettensucht den Rücken kehren.

Achtet auf euer soziales Umfeld

Wenn euch auffällt, dass sich jemand aus eurem Familien- und Freundeskreis immer mehr zurückzieht und sich immer mehr Geld leiht, sind das meistens Warnsignale dafür, dass er oder sie spielsüchtig ist.

"Den Menschen anzusprechen, ist immer richtig. Ein Gespräch unter vier Augen ist mit Sicherheit ein guter Weg", erzählt uns die Suchtberaterin Daniela Senger Hoffmann. Zuerst das persönliche Gespräch zu suchen sei immer besser. Wenn das nicht hilft, wendet euch an eine Beratungsstelle.

Hier finden Betroffene Hilfe

Bad Hersfeld
Bad Homburg
Bensheim
Darmstadt
Dietzenbach
Eschwege
Frankfurt am Main
Fulda
Gießen
Kassel
Limburg/Lahn
Marburg
Offenbach
Wiesbaden

Bad Hersfeld

Beratungs- und Behandlungszentrum für Abhängigkeitserkrankungen Christina Heimeroth
Telefon: 06621-6 10-91
E-Mail: Christina.Heimeroth@ekkw.de
Online: www.diakonie-hef-rof.de

Bad Homburg

Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe
Yvonne Kringe und Anne-Christine Gärtner
Telefon: 06172-60 08-0
E-Mail: zjshtk-spielsucht@jj-ev.de
Online: www.drogenberatung-jj.de

Bensheim

AWO Jugend- und Suchtberatung PRISMA
Thimo Schmeiss
Telefon: 06251-6 45 65
E-Mail: thimo.schmeiss@suchtberatungprisma.de
Online: www.suchtberatung-prisma.de

Darmstadt

Suchthilfezentrum Darmstadt
Helga Lack und Cindy Ziergiebel
Telefon: 06151-500 28 40
E-Mail: sucht@caritas-darmstadt.de
Online: www.caritas-darmstadt.de

Dietzenbach

Suchthilfezentrum Wildhof
Egon Heeg-Matthaei
Telefon: 06074-69 49 616
E-Mail: dietzenbach@shz-wildhof.de
Online: www.shz-wildhof.de

Eschwege

Diakonisches Werk Werra-Meissner/Fachstelle für Suchthilfe und Prävention
Anna Niebeling
Telefon: 05651-3 39 42 92
E-Mail: a.niebeling@diakonie-werrameissner.de
Online: www.diakonie-werra-meissner.de

Frankfurt am Main

Evangelische Suchtberatung
Ralf Hölzel
Telefon: 069-15 05 90 30
E-Mail: gluecksspielberatung@frankfurtevangelisch.de
Online: www.ev-suchtberatung.de

Fulda

Caritas-Zentrum für Sucht- und Drogenhilfe Fulda
Heike Böhning
Telefon: 0661-2 42 83 61
E-Mail: heike.boehning@caritas-fulda.de
Online: www.caritas-fulda.de

oder

Fachstelle für Sucht Beratung und Behandlung
Harald Hausser
Telefon: 0661-83 88-200
E-Mail: dw@diakonie-fulda.de
Online: www.diakonie-fulda.de

Gießen

Suchthilfezentrum Gießen
Wolfgang Engelking und Matthias Jensen
Telefon: 0641-7 80 27 oder -28
E-Mail: wolfgang.engelking@shzgiessen.de oder
matthias.jensen@shz-giessen.de
Online: www.shz-giessen.de

Kassel

Diakonisches Werk Kassel/Zentrum für Sucht- und Sozialtherapie Andreas Fux und Michaela Jung
Telefon: 0561-93 89 50
E-Mail: suchtberatung@dw-kassel.de
Online: www.dw-kassel.de

Limburg/Lahn

Suchtberatungsstelle Diakonisches Werk Limburg-Weilburg
Anna Bresler und Uwe Schaar
Telefon: 06431-2174-123 / 150
E-Mail: bresler@dw-limburg-weilburg.de oder
schaar@dw-limburg-weilburg.de

Marburg

Sucht- und Drogenberatung Diakonisches Werk Marburg-Biedenkopf
Holger Schmidt und Sebastian Reinhard
Telefon: 06421-2 60 33
E-Mail: holger.schmidt@ekkw.de oder sebastian.reinhard@ekkw.de
Online: www.suchtmr.de

Offenbach

Suchthilfezentrum Wildhof
Stefanie Höft
Telefon: 069-98 19 53-0
E-Mail: stefanie.hoeft@shz-wildhof.de
Online: www.shz-wildhof.de

Wiesbaden

Fachambulanz für Suchtkranke
Cathrin Fehl
Tel: 0611-34 11 76-0
E-Mail: ann-cathrin.fehl@caritas-WIRT.de
Online: www.caritas-wiesbaden-rheingautaunus.de

oder

Suchthilfezentrum Wiesbaden
Melanie Bildesheim
Tel: 0611-9 00 48-70
E-Mail: shz-spielsucht@jj-ev.de
Online: www.jj-ev.de

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 09.10.2019, 05:00 Uhr

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