Britta und Dietrich

Britta wurde durch eine anonyme Samenspende gezeugt. Mit 30 Jahren findet sie ihren leiblichen Vater über eine DNA-Datenbank in den USA. Heute will sie mit ihrer Geschichte anderen Mut machen, sich auf die Suche nach der anderen Hälfte ihrer Gene zu machen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Britta und Dietrich erzählen Freddie, wie sie sich gefunden haben

YOU FM Moderatorin Freddie
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Von dem Geld, das Dietrich mit seinen Samenspenden verdiente, hat er sich ein Klavier gekauft. Das hat er heute noch. Als er 18 Jahre alt war, spendete er zum ersten Mal. Ein Kumpel hatte ihm die Nummer eines Münchner Gynäkologen gegeben. Pro Spende gab es 100 Mark in einem Umschlag – eine Menge Geld für den damaligen Abituriennten.

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Samenspende - lange ein rechtlicher Graubereich

Seit 2017 gibt es das Samenspenderregistergesetz. Es regelt, dass alle nach Juli 2018 gezeugten Spenderkinder über ein Register die Identität des Samenspenders erfahren können. Doch die Daten aller zuvor gezeugten Kinder werden dort nicht erfasst. Sie müssen sich an die Klinik oder den behandelnden Arzt ihrer Eltern wenden, um Auskunft zu erhalten. Doch je länger die Samenspende zurückliegt, desto komplizierter ist es, den Spender zu finden, denn manche Akten sind längst vernichtet. In einigen Fällen wollen Spender anonym bleiben.

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"Natürlich hab ich drüber nachgedacht, dass da Menschen entstehen, aber das war zu dem Zeitpunkt noch nicht greifbar", erklärt er. Nach sechs Jahren hörte er auf, zu spenden. Später gründete Dietrich eine Familie und bekam mit seiner Frau drei Söhne.

Britta war 19 Jahre alt, als ihr ihre Mutter sagte, dass sie mit einer Samenspende gezeugt wurde. "Das war natürlich erstmal ein Schock", erzählt sie dieser Freddie im Interview. "Man betrachtet sich danach einfach anders im Spiegel." Ihr Vater, beziehungsweise der Mann, von dem sie dachte, er sei ihr Vater, verließ die Familie, als Britta vier Jahre alt war.

Datenbankeintrag führt Britta und Dietrich zusammen

Da es sich um eine anonyme Spende handelte, machte sich Britta nicht auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater. "Ich wollte niemanden finden, der nicht gefunden werden möchte", sagt sie. Im letzten Jahr erfuhr sie dann über den Verein "Spenderkinder", dass es in den USA DNA-Datenbanken gibt und darüber schon viele Halbgeschwister ausfindig gemacht wurden.

Britta registrierte sich bei "FamilyTreeDNA". "Ich dachte: Cool, jetzt geh ich meine Geschwister suchen." Sie rechnete damit Halbgeschwister ausfindig zu machen, nicht damit, ihren biologischen Vater zu finden. Doch am 18. Mai 2019 erhielt Britta eine Mail von Dietrich.

Viele Spenderkinder sind auf der Suche

Der hatte inzwischen auch beschlossen, sich bei einer solchen Datenbank eintragen zu lassen. Sein Entschluss fiel, nachdem eine Bekannte ihn darauf angesprochen hatte und ihm bei der Recherche zum Thema klar wurde, wie viele Kinder es gibt, die das Bedürfnis haben, ihre biologischen Wurzeln zu finden.

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„Da platzt ein Knoten, von dem man nicht wusste, dass er existiert hat“ Zitat von Britta
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"Ich dachte erst, das wär eine Spam-Mail", beschreibt Britta den Moment, in dem sie die E-Mail mit Dietrichs Nachricht öffnete. Doch als sie sich in die Datenbank einloggte, wurde ihr unmissverständlich klar, dass diese Nachricht wirklich von ihrem leiblichen Vater stammte. In der Datenbank stand: "Relationship: Father". "Da platzt ein Knoten, von dem man nicht wusste, dass er existiert hat", beschreibt Britta ihre Gefühle.

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Anlaufstelle für Spenderkinder

Der Verein "Spenderkinder" engagiert sich für die Rechte von Spenderkindern. Auf der Webseite findet ihr Erfahrungeberichte von Betroffenen und Tipps zur Verwandtensuche.

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Gleich für den nächsten Tag vereinbarten die beiden ein Treffen. Denn all die Jahre lebten Britta und Dietrich in derselben Stadt, ohne voneinander zu wissen. Das erste Aufeinandertreffen beschreiben die beiden heute wie die Szene aus einem Film: Sie liefen aufeinander zu und umarmten sich lange.

Nach elf Jahren endet Brittas Identitätssuche

Auch sonst war die Nähe zueinander schnell da: "Ich glaube, man spürt das, wenn man genetisch miteinander verwandt ist, ich hätte das auch nicht geglaubt", sagt Britta. Endlich weiß sie, woher sie ihre blonden Haare, ihre Gesten und ihre extrovertierte Art hat. Damit endete ihre Identitätssuche – elf Jahre nachdem sie erfahren hatte, dass sie ein Spenderkind ist: "Ich konnte endlich das letzte Teil in meinem Puzzle einsetzen", sagt sie.

Nach einigen Treffen stand für beide fest: Die wollen am Leben des anderen teilhaben. Britta ist dankbar dafür, dass Dietrichs Frau und seine Kinder so offen dafür sind, dass sie eine Beziehung zu ihrem Vater aufbauen kann, sie weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Auch Dietrich kann es manchmal gar nicht fassen: "Ich habe einfach eine erwachsene Tochter geschenkt bekommen."

Insgesamt war Dietrich etwa 80 Mal bei der Samenspende. Damit könnte er neben Britta der Vater von vielen weiteren Spenderkindern sein. Bisher haben sich über den Datenbankeintrag noch keine weiteren Kinder gemeldet, doch ihm ist bewusst, dass das jederzeit passieren könnte. "Dann wird die Geschichte neu geschrieben", sagt auch Britta.

Samenspende sollte kein Tabu sein

Ihr ist es wichtig, ein Gesicht für andere Spenderkinder zu sein. "Vor allem für diejenigen, die sich nicht trauen, damit nach draußen zu gehen." Britta weiß, welche Lücke eine anonymisierte Samenspende im Leben eines Spenderkindes hinterlassen kann. "Jeder Mensch hat das Recht auf Kenntnis der Abstammung", findet sie. Deshalb freut sie sich umso mehr, dass Dietrich sie dabei unterstützt, mit diesem Tabu zu brechen, um anderen mit einer ähnlichen Geschichte Mut zu machen.

Er wiederum weiß, Spender wie er selbst sind der Schlüssel dazu, dass Kinder ihre Väter ausfindig machen können. Er appeliert an andere Männer: "Es sind eure Kinder und die haben Druck und nur ihr könnt den erleichtern." Außerdem will er Ängste nehmen: Es gebe wenige Fälle, in denen die Kontaktaufnahme schieflaufe, Kinder Alimente forderten oder mit dem biologischen Vater abrechnetten. Und auch für die Familien gelte: Eine Familie könne mit den Spenderkindern zusammenwachsen, aber das sei kein Muss.

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 02.06.2020, 14:20 Uhr

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