Vulva

Viele Frauen wollen auch untenrum vermeintlich perfekt aussehen und legen sich dafür sogar unters Messer. Die Soziologin Kathy Meßmer hat eine Doktorarbeit über das Phänomen geschrieben. Sie findet: Viele Frauen wissen gar nicht, wie unterschiedlich Vulven aussehen können.

Im Gegensatz zum Penis hat es die Vulva schwer. Auch wenn es mittlerweile Schals und Handtaschen in der Form einer Vulva gibt, wurden weibliche Geschlechtsteile lange tabuisiert. Das war nicht immer so, weiß Soziologin Kathy Messmer, die sich intensiv mit Thema beschäftigt hat.

Es gab sogar eine Zeit, in der das Zeigen der Vulva als gute Strategie galt, den Teufel zu vertreiben. "Die weiblichen Genitalien wurden in der Geschichte immer ambivalent dargestellt und hatten sowohl was sehr machtvolles, das ging aber auch mit der Vorstellung einher, sie könnten etwas erschreckendes sein", erklärt Kathy dieser Freddie aus dem schönen Nachmittag im YOU FM Interview.

Spziologin Anna-Katharina Messmer

Etwa vier Jahre lang hat Kathy Meßmer an ihrer Doktorarbeit geschrieben. Sie wollte vor allem wissen, wie das Angebot an Schönheits-OPs für den weiblichen Genitalbereich in Deutschland aussieht und wie dieses das Bild des weiblichen Intimbereichs beeinflusst.

Der häufigste Eingriff, für den sich Frauen entscheiden, ist die sogenannte Labioplastik, die Verkleinerung der inneren Schamlippen, erzählt Kathy. An zweiter Stelle folgt die Vaginalverengung; ein eher funktionaler Eingriff, damit es beim Sex wieder besser läuft.

Nur ein "Problem" der Frau?

Zwar gibt es auch für Männer Penispumpen, Tabletten und Intimchirurgie - aber was permanente Veränderungen angeht, scheint die Bereitschaft, etwas am weiblichen Körper zu verändern höher als am männlichen, so Kathys Feststellung.

Kritisch sieht die Wissenschaftlerin auch, wie sich Intimchirgurinnen selbst inszenieren: Als Helfer und Berater im Dienste der selbstbewussten und emanzipierten Frau. Dabei sind ihre Webseiten häufig reine Werbeerzählungen: "Sie schaffen einen Bedarf für etwas, das sie selbst mit ihrem Angebot decken", sagt Kathy.

Unrealistisches Idealbild

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Soziologin Kathy Meßmer erklärt, was die Vulva mit Teufelsaustreibung zu tun hat

Vulva
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Manche Frauen lassen sich auch nach der Geburt eines Kindes operieren. Auch hier findet Kathy die Versprechen der Ärzte, den Körper in den vorgeburtlichen Zustand bringen zu können, problematisch: "Das ist ein Ideal, das ganz häufig unerreichbar ist", sagt sie. Meist fehle die Geduld, dass sich ein Körper nach einer Geburt oder im Lebensverlauf verändert und das Verständnis, dass das normal ist.

Für diejenigen, die darüber nachdenken, sich operieren zu lassen, hat die Soziolgin einen Rat: "Ich würde mir überlegen, warum ich das machen möchte, erstmal mit Freundinnen darüber sprechen und mich informieren, wie unterschiedlich Vulven aussehen können." Anschließend könne man entscheiden, ob man sich diesem unrealistischen Idealbild annähern möchte. Es gebe eine extreme Bandbreite von Labienlängen: "Es lohnt sich, sich das erstmal bewusst zu machen", findet Kathy.

Kathys Zuhause gleicht einem "Vulvamuseum"

Vulva

Für die Zukunft wünscht sich die Soziologin, dass Frauen offen über ihren Intimbereich sprechen können: "Wir sollten dahin kommen, dass wir nicht mehr flüstern müssen, wenn wir über Vulven sprechen".

Sie selbst macht es vor: Weil sie in ihrem Freundeskreis als Expertin für Vulva-Angelegenheiten gilt, hat sie alle möglichen Gegenstände wie Halsketten oder Wärmflaschen in Vulvaform geschenkt bekommen. Ihr Zuhause gleiche einem Vulvamuseum, erzählt Kathy. Außerdem sei sie bekannt dafür, Vulven in Milchschaum zeichnen zu können; ein kleiner Spleen, den sie aus der Zeit ihrer Doktorarbeit habe, erzählt sie lachend dieser Freddie.

Sendung: YOU FM Der schöne Nachmittag, 06.05.2019, 14.00 Uhr

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