Mikroplastik
Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind, werden als Mikroplastik bezeichnet. Bild © Imago

Es findet sich in Nahrungsmitteln, Kosmetik, Klamotten und auch das Meer ist voll davon: Mikroplastik. Jetzt wurden die Kunststoffteilchen sogar im menschlichen Verdauungstrakt nachgewiesen. Wir sagen euch, wie schädlich sie sind und was ihr dagegen tun könnt.

Welchen Weg gehen die Kunststoffteilchen?
Wie schädlich ist das für uns?
Was kann ich dagegen tun?
Mit der "CodeCheck"-App Mikroplastik erkennen

Was ist Mikroplastik?

Das sind Kunststoffteilchen, die 0,1 Mikrometer bis 5 Millimeter klein und nicht biologisch abbaubar sind. Es gibt primäres und sekundäres Mikroplastik:

Primäres sind die Kügelchen, die in Kosmetikprodukten, Reinigungsmitteln, Farben oder Medikamenten verarbeitet sind.

Sekundäres Mikroplastik entsteht aus Gegenständen, zum Beispiel aus Plastiktüten, die verrotten. Auch wenn ihr synthetische Kleidung wascht, werden in der Maschine kleine Partikel gelöst. Beim Laufen produzieren wir durch den Abrieb unserer Schuhsohlen auch Mikroplastik.

Wie viel Mikroplastik gibt es?

Nach einer Schätzung des Fraunhofer Instituts fallen 364.000 Tonnen Mikroplastik-Müll jährlich in Deutschland an. Die Forscher haben 51 Ursachen für Mikroplastik identifiziert. Der Abrieb von Autoreifen und Straßen führt die Mikroplastikverursacherliste mit 33 Prozent an. Kosmetika und Pflegeprodukte machen mit 1 Prozent einen sehr geringen Teil aus. Einfach weggeworfenes und nicht recyceltes Plastik macht schon 10 Prozent aus.

Mikroplastik
Der Abrieb von Autoreifen und Straßen gehört laut Fraunhofer Institut zu den größten Quellen von Mikroplastik (Abweichungen von 100 Prozent, da gerundet). Bild © YOU FM

Welchen Weg gehen die Kunststoffteilchen?

Mikroplastik
Früher oder später landet das Mikroplastik in Gewässern. Bild © Imago

Der Wind bläst den Reifenabrieb von Straßen, Regen schwemmt ihn weg. Abwässer bringen das Mikroplastik von Straßen und aus Haushalten in die Kläranlagen. Der Klärschlamm landet oft auf Äckern und das Mikroplastik kommt so wieder in die Natur und irgendwann über Flüsse ins Meer. Von dort gelangt es über Kleinstlebewesen in die Nahrungskette. In Fischen, Muscheln, Meersalz, Milch, Honig, Mineralwasser und sogar Bier wurde Mikroplastik nachgewiesen.

Mikroplastik kann aber auch einen direkteren Weg nehmen: Beim Aufreißen von Verpackungen entsteht Mikroplastikstaub, bei der Produktion von Lebensmitteln sind viele Maschinenteile aus Plastik, da gibt es Abrieb. In unseren Wohnungen sind Kunststoffteppiche, wir benutzen Tiefkühlbeutel, Plastikkochlöffel, Gewürzmühlen mit Plastikmahlwerken. Wir produzieren eigentlich ständig Mikroplastik.

Wie schädlich ist das für uns?

Plastik hat eine Oberfläche, auf der sich gerne bestimmte Giftstoffe absetzen. Das Mikroplastik wird mitsamt der Gifte von Tieren aufgenommen. Die Giftstoffe sind im Fettgewebe von Fischen schon nachgewiesen worden. Problematisch sind auch die Weichmacher im Plastik, die ähnlich wie Hormone wirken. In Muschelgewebe wurde schon Nanoplastik gefunden. Weil es so klein war, war es in den Zellen der Muscheln. Forscher gehen davon aus, dass dies auch beim Menschen passieren könnte und Entzündungen oder Allergien hervorrufen könnte, bewiesen ist das aber nicht.

Mikroplastik in Kosmetik
Die kleinen blauen Kügelchen in diesem Kosmetikprodukt sind Mikroplastik. Bild © picture-alliance/dpa

Doch bei Studien stellte sich bereits heraus, dass Tiere, die hohe Dosen von Mikroplastik im Futter hatten, Probleme mit dem Immunsystem bekamen, außerdem sank ihre Fruchtbarkeit und die Sterblichkeit stieg. Forscher aus Hawaii haben herausgefunden, dass Mikroplastik die Klimaerwärmung befeuert. Viele der Teilchen zerfallen unter UV-/Sonnenlicht und setzten Treibhausgase frei.

Was kann ich dagegen tun?

Also erst mal Kunststoffe vermeiden, wo es geht: Zum Beispiel bei Klamotten, Schuhen, Möbeln, Teppichen, Küchengeräten, Taschen oder Verpackungen. Auch wenn Kosmetika nur einen Anteil von 1 Prozent am gesamten Mikroplastikmüll ausmachen, kann man hier sehr einfach etwas ändern und Duschgels, Haarwaschmittel und Schminke, die Mikroplastik enthalten, vermeiden.

Der BUND hat einen umfassenden Einkaufsratgeber herausgebracht, der auflistet, in welchen Kosmetik- und Hygiene-Produkten Mikroplastik enthalten ist. Aufgeführt sind Marken wie Nivea, The Body Shop, Balea oder Eucerin. Das macht es leicht, beim Einkaufen die richtigen Produkte in den Wagen zu legen.

Mit der "CodeCheck"-App Mikroplastik erkennen

Oft wissen wir gar nicht, was genau in unseren gekauften Produkten so drinsteckt. Mit dieser App müsst ihr euch nicht durch Inhaltsstofflisten, Fachbegriffe und Abkürzungen suchen, sondern könnt Produkte ganz leicht durchchecken.

CodeCheck App
So teilt CodeCheck die Inhaltstoffe ein. Bild © YOU FM

Die Anwendung der App ist einfach: Den Barcode an eurer Creme, dem Haargel oder der Bodylotion scannen und die App zeigt euch einen Bewertungskreis an. Dort werden neben Mikroplastik auch andere kritisch eingestufte Stoffe kategorisiert. Die Basis dafür sind Expertenbewertungen und Produktuntersuchungen. Je grüner der Kreis ist, desto besser sind die Werte. Wenn rot zu sehen ist, sind im Produkt Stoffe, die als bedenklich eingestuft wurden – die können aber auch chemischer oder hormoneller Art sein. Extra ausgewiesen siehst du den Hinweis "Enthält Mikroplastik". Dieser Hinweis steht im postivien Testausfall neben dem roten Kreis.

Praktisch: Die App funktioniert übrigens auch für Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe. Und wenn ihr nicht zufrieden seid mit der Bewertung, zeigt "CodeCheck" auch alternative Produkte mit besseren Bewertungen, Preisen, Gütesiegeln sowie Anwendungsvor- und Nachteilen. Das ist also super praktisch beim Einkaufen.

Es gibt aber auch Kritik App: Demnach sollen einige Bewertungen und Angaben nicht ganz aktuell sein. Manche Produkte sind auch noch nicht verzeichnet. Das ist in unserem Test aber sehr selten vorgekommen.

Hier könnt ihr "CodeCheck" für Android und iOS kostenlos runterladen, allerdings enthält die App Werbung.

Was tut die Politik gegen Mikroplastik?

Schweden, Neuseeland, Großbritannien, Kanada, USA und andere Länder haben Kosmetika mit Mikroplastik inzwischen verboten. Das EU-Parlament hat am 24. Oktober für ein Verbot von einigen Einwegplastikprodukten gestimmt.

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Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 25.10.2018, 05:00 Uhr

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