Skateistan

Ein Film über skateboardfahrende Kinder in Kabul hat den Oscar als beste Kurz-Dokumentation gewonnen. Wir haben mit der Organisation "Skateistan" gesprochen, die die Kinder zum Skaten bringt und gefragt, wie das ihr Leben besser macht.

Am frühen Montagmorgen zu deutscher Zeit wurden in Los Angeles die Oscars 2020 verliehen. Neben den Kategorien "beste/r Hauptdarsteller/in" oder "bester Film" wurde auch eine goldene Statue für die beste "Kurz-Doku" vergeben. Eine Produktion über skateboardfahrende Kinder in Kabul hat den Preis abgeräumt. Vor der Verleihung haben wir mit einer der Produzenten des Films gesprochen.

"Es ist überwältigend, unbeschreiblich und auch ein bisschen surreal", sagt Janina zur Oscar-Nominierung der Kurz-Doku "Learning to Skateboard in a Warzone (If you're a girl)".

Janina Miketta, Development Manager von Skateistan

Janina ist Development Managerin bei "Skateistan". Das ist die Organisation, die Skateboarden und Bildung miteinander verbindet und damit benachteiligten Kindern auf der ganzen Welt hilft.

Was man nicht im Klassenzimmer lernt

Der Film begleitet ein Jahr lang eine Mädchenklasse in Kabul. Ihr seht die Mädchen im Klassenzimmer, lernt ihre Lehrer kennen und bekommt einen Einblick in das Leben vor Ort. Und weil bei Skateistan nicht nur lesen und schreiben lernen auf dem Programm steht, begleitet der Film die Mädchen auch in die Skatehalle.

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zum Video Skateistan verbindet Skaten mit Schulbildung

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Der Film zeigt, welches Selbstvertrauen die Mädchen durch den Sport schöpfen. Skaten ist für sie mehr als körperliches Training: Es ist ein wertvoller Zeitvertreib, gerade in einem vom Krieg geprägten Land, in dem Mädchen sonst gehorchen sollen und keine eigenen Ziele verfolgen dürfen.

"Beim Skaten gibt es keine Verlierer"

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"Wir haben festgestellt, dass Kinder beim Skateboarden vieles lernen, was sie auch im Alltag anwenden können, zum Beispiel wie es ist, hinzufallen und wieder aufzustehen und sich gegenseitig zu helfen", erklärt Janina den Ansatz von Skateistan. "Es gibt keine Gewinner und Verlierer wie in anderen Sportarten, das finden wir eine schöne Message."

Die 33-Jährige war selbst im Dezember in Afghanistan. "Was mich total bewegt hat: Allein schon, wenn die Kinder an der Skateschule ankommen, sieht man einfach die Freude in den Augen", erzählt sie.

Angewiesen auf Unterstützung

Die Nominierung bei den Oscars ist auch deshalb so wichtig, weil Skateistan dadurch viel Aufmerksamkeit bekommt. "Das ist wichtig für unsere Arbeit, weil wir davon leben, dass Menschen uns unterstützen und etwas über unsere Arbeit wissen", sagt sie.

Weitere Informationen

Die Organisation Skateistan

  • Skateistan verbindet Skateboarding mit Bildung für benachteiligte Kinder, die vorher nicht zur Schule gehen konnten
  • 2.700 Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren in Afghanistan, Kambodscha und Südafrika nehmen teil
  • 50 Prozent davon sind Mädchen
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Denn Skateistan wird durch Spenden finanziert. Neben zwei Schulen in Afghanistan – in Kabul und Mazar-e-Sharif – unterhält die Organisation zwei weitere Schulen in Phnom Penh (Kambodscha) und in Johannesburg (Südafrika).

Skateistan ist weltweit auf fast einhundert Mitarbeiter und Freiwillige angewiesen. Der Hauptsitz der Organisation ist in Berlin. Nachdem sich die Doku zu Beginn dieser Woche schon beim BAFTA, dem wichtigsten britischen Filmpreis, durchgesetzt hat, drückt das Team um Janina nun in der Nacht zum Montag die Daumen. Sollten sie gewinnen, steht jedenfalls schon fest, wie gefeiert wird, verrät Janina: Alle gehen gemeinsam skateboarden.

Sendung: Der schöne Nachmittag, 06.02.2020, 14:00 Uhr

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