Engagement gegen rechts

Noch immer schockiert der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Es heißt: Rechte Gewalt darf nicht verharmlost werden; dass wir nicht abstumpfen sollen. Es gibt Menschen, die sich gegen Menschenhass aller Art engagieren: im Netz, auf der Straße, in Vereinen. Wir haben drei von ihnen gefragt, was sie erleben und wie man ihre Arbeit unterstützen kann.

Die aktuellen Daten des Verfassungsschutzes zeigen, die Zahl rechtsextremer Gewalttaten hat einen neuen Höchststand erreicht. 24.100 Rechtsextremisten gab es 2018, etwa die Hälfte von ihnen ist gewaltbereit. Ebenso hat laut Bundeskriminalamt die Zahl der Gewalttaten im Bereich "Hasskriminalität" zugenommen.

Zu den Feindbildern der Extremen zählen vor allem Asylsuchende und Muslim*innen, aber auch Politiker*innen. Walter Lübcke soll ermordet worden sein, weil er einen humanen Umgang mit Geflüchteten vertreten hat.

Viele Menschen engagieren sich gegen rechte Gewalt – mit Erinnerungsarbeit, Aufklärung, Demonstrationen. Die Initiative 6. April zum Beispiel erinnert an das Schicksal der Familie von Halit Yozgat, der Opfer des NSU-Trios wurde. Nach dem Mord an Lübcke gingen sie mit anderen in Kassel zu vielen Hundert auf die Straße.

Unter dem Hashtag #unteilbar versammelten sich vergangenes Jahr über 240.000 Menschen bei einer bundesweiten Großdemo in Berlin, um sich für eine offene Gesellschaft der Vielen auszusprechen. Die nächste Demo ist im August in Dresden geplant. Das Motto: "Jetzt erst recht!"

Wir stellen euch hier drei Initiativen vor, die sich gegen Rechts engagieren und erklären, wie ihr mitmachen könnt.

1. Betroffene unterstützen: Response
2. Die rechte Szene kennen: Der rechte rand
3. Gemeinsam gegen Hass im Netz: #IchBinHier

#1: Betroffene unterstützen

Wenn ein rassistischer oder rechter Übergriff geschieht, geht es oft um die Täter, weniger um die Opfer. Nicht selten werden sie vergessen oder selbst beschuldigt, wie zum Beispiel in der Mordserie des NSU. Sich vorzustellen wie es ist, ein Opfer rechter oder rassistischer Gewalt zu sein, ist nicht einfach für die, die es nicht betrifft.

Die Beratungsstelle Response berät Betroffene in Hessen – unabhängig und anonym. Zu Response kommen zum Beispiel Frauen, die einen Hidschab tragen und auf offener Straße rassistisch beleidigt werden oder Menschen, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzen und plötzlich im Fokus von Neonazis stehen oder männliche Migranten, die erzählen, dass sie immer wieder von der Polizei verdächtigt werden und kontrolliert werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Olivia von Response erklärt, womit Opfer von Rassismus häufig konfrontiert sind

Olivia Sarma
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Doch es geht nicht nur um die Tat. Vor allem der Umgang der Betroffenen mit dem Erlebten, die Folgen der Tat und wie die Opfer danach ihren Alltag bewältigen, stehen im Fokus der Beratung, erklärt Olivia Sarma, die bei Response arbeitet.

Betroffene seien oft mit ähnlichen Mechanismen konfrontiert: Zum Beispiel werden sie beschuldigt, zur Eskalation beigetragen zu haben. Bei anderen werden die Geschehnisse heruntergespielt. "Das sind Erfahrungen, an denen viele Betroffene oft lang zu knabbern haben", sagt Olivia.

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So kannst du "Response" unterstützen

Response erstellt eine Chronik rechter und rassistischer Übergriffe und Ereignisse in Hessen. Ab Herbst soll es online die Möglichkeit geben, rassistische Vorfälle zu melden. An der Bildungsstätte Anne Frank, zu der Response gehört, kann man sich außerdem zum Demokratietrainer ausbilden lassen und Workshops an Schulen geben.

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#2: Die rechte Szene kennen

Wie gegen rechte Netzwerke vorgehen, wenn man nichts über ihre Strukturen weiß? Behörden und Journalisten nutzen die Arbeit von Netzwerken wie "Recherche Nord", "der rechte rand", "Exif" der "NSU-Watch". Durch ihre Recherche haben sie inzwischen einen Pool an Informationen über die rechtsextreme Szene in Deutschland gesammelt.

Nina Juliane Rink

Die Arbeit der freiwilligen Aktiven ist nicht ungefährlich. Sie recherchieren auf Demos, Aufmärschen, Konzerten, Festen oder Tagungen, lesen Flyer und Publikationen von Rechtsextremen, um Informationen darüber zu sammeln, was diese tun.

Nina Juliane Rink ist Redakteurin und Autorin bei "der rechte rand". Auch sie hat sich schon auf Demos gewagt und sich dabei nicht immer wohl gefühlt. "Doch ich habe die Möglichkeit, mich da rauszuziehen, aber wenn ich an die Leute denke, die alltäglich rechter Gewalt ausgesetzt sind, dann finde ich das viel schlimmer", sagt sie.

Ein Stapel des Magazins "der rechte rand"

Nina ist überzeugt: "Diese Täter kommen nicht aus dem Nichts, die sind auch keine verwirrten Einzeltäter. Das sind Neonazis, die haben oft eine langjährige Biografie in irgendwelchen Gruppen und rechten Netzwerken." Das zeigten auch der Fall Lübcke oder der Anschlag auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Nina will dabei helfen, Taten wie diese aufzuklären.

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So kannst du "der rechte rand" unterstützen

"Der rechte rand" erscheint alle zwei Monate als Magazin. Die Infos gibt es aber auch online. Um die Arbeit der Macher des Magazins zu unterstützen, könnt ihr deren Beiträge im Netz teilen. Am effektivste aber sei es, sich selbst in antifaschistischen Gruppen und Intitiativen zu engagieren, findet Nina.

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#3: Gemeinsam gegen Hass im Netz

Rechte Trolle, Hater und Neonazis verfassen Hasskommentare im Netz, machen Andersdenke fertig oder bedrohen sie. Ihr Hass wird weitergetragen von anderen, die Asylunterkünfte anzünden oder Synagogen beschmutzen wollen, Kopftuch tragende Frauen schlagen wollen oder – wie aktuell – den Mord an Walter Lübcke feiern.

Im Netz verbreiten sich gewaltvolle Sprache und Gedanken rasend schnell. Deshalb widerspricht ihnen die Initiative #IchBinHier in gesteuerten Großaktionen. Sie schalten sich mit sachlichen Gegenkommentaren in die Diskussion ein, um das Klima zu drehen und die Hasskommentatoren abzuschrecken. Wie genau das funktioniert, lest ihr hier.

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So kannst du "#IchBinHier" unterstützen

Du kannst Mitglied oder Fördermitglied bei #IchBinHier werden und selbst Teil der Gemeinschaft werden, die sich in sachlichen Kommentaren gegen Hassrede im Netz einsetzt. 

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Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 11.07.2019, 06:00 Uhr

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