Ein Behälter zum Transport von Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen.

In Deutschland gibt es zu wenig Organspender. Der Bundestag hat nun über zwei Vorschläge abgestimmt, um die Zahl zu erhöhen. Gina und Stefan wissen, wie es ist, auf ein Spenderorgan zu warten. Beide hatten Glück. Sie leben heute mit einer neuen Niere und einem neuen Herzen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Susanka spricht mit Stefan über den Moment, in dem er erfährt, ein neues Herz zu bekommen

YOU FM Moderatorin Susanka
Ende des Audiobeitrags

Es ist der 12. Juni 2019, als Stefan ein neues Herz bekommt. 290 Tage hing er davor an Geräten im Krankenhaus, nahm Medikamente mit starken Nebenwirkungen, zählte die Tage des Wartens. Darauf, dass ein Verstorbener ihm ein Herz schenkt. "Um 23 Uhr am Abend zuvor habe ich die Nachricht bekommen, dass es am nächsten Morgen soweit ist. Ein unbeschreibliches Gefühl", erinnert sich der 33-Jährige. Wer ihm sein Herz gespendet hat, weiß Stefan nicht.

Stefans altes Herz war zu groß. Ein Erbfehler. Bereits sein Vater hat vor 32 Jahren ein neues Herz bekommen, da war Stefan eineinhalb Jahre alt. Von seinem Herzfehler erfährt der heute 33-Jährige mit 17 Jahren. Die Tatsache, als junger Mann von heute auf morgen kein Sport mehr machen kann zu können, ist ein Schock für ihn: "Bis 2010 habe ich mit Medikamenten ein fast normales Leben geführt, das Beste aus der Situation gemacht. Ab 2010 wurde es abrupt schlechter", sagt Stefan.

Stefan hat ein Spenderherz bekommen

Zunächst bekommt er Medikamente, dann einen Defibrillator eingesetzt. Doch weil sein Herz zu schnell arbeitet, ist es irgendwann zu schwach. 2018 bekommt er nach einer Routinekontrolle gesagt, er müsse im Krankenhaus bleiben. Es steht fest: Er braucht ein neues Herz.

9.500 Menschen warten auf ein Spenderorgan

Weitere Informationen

2018 wurden etwa 5.000 Personen neu auf die Warteliste aufgenommen. 901 Personen auf der Warteliste sind im gleichen Jahr verstorben. Der Bundestag hat am 16. Januar für die Zustimmungslösung bei Organspenden gestimmt: Damit ist eine Organentnahme nur möglich, wenn der Spender zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Alle Bürger sollen in Zukunft mindestens alle zehn Jahre auf Organspenden angesprochen werden, zum Beispiel wenn sie einen Personalausweis beantragen oder einen Arzt besuchen. Europaweit ist Deutschland eines der Länder mit den wenigsten Organspendern.

Ende der weiteren Informationen

Damit wird er zu einem der etwa 9.500 Menschen, die in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen. Für einige war und ist eine Transplantation lebensnotwendig. Knapp 900 Wartende sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vergangenes Jahr verstorben, weil sich kein Organ für sie fand.

Zudem gab es 2018 nur 955 Spender*innen. Die Zahl potentieller Spender ist über die letzten Jahre gesunken, was unter anderem damit begründet wird, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Transplantationsmedizin Schaden genommen hat.

Gina hat eine Spenderniere bekommen

Die meisten Patient*innen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen, warten auf eine Nierentransplantation. Wie Gina bis letztes Jahr. Die 28-Jährige hat seit ihrer Kindheit das Denys-Drash-Syndrom, das unterschiedliche Folgen für den Körper hat.

In ihrem Fall besitzt Gina keine Eizellen und ihre Nieren sind über die Jahre vernarbt, weshalb sie Ginas Körper irgendwann nicht mehr entgiften konnte. Acht Monate musste die Krankenschwester regelmäßig zur Dialyse, bis sie eine neue Niere bekam. Im Vergleich zu vielen anderen, die Jahre warten, eine kurze Zeit. Ginas Glück ist, dass ihre Mutter die Spenderin wird.

Viele Hürden bei Lebendspenden

Im Unterschied zum Herzen ist bei der Niere nämlich auch eine Lebendspende möglich. Allerdings muss der Spender zu 100 Prozent gesund sein. Aber weil das vor allem bei älteren Menschen oft nicht der Fall ist und viele der Nierenerkrankten selbst älter sind und meist keine Angehörigen mehr haben, die als Spender in Frage kommen, sind auch viele Nierenerkrankte auf die Spende sogenannter Hirntoter angewiesen.

"Zudem lehnen es viele auch ab, zum Beispiel von den eigenen Kindern ein Organ gespendet zu bekommen. Denn klar ist auch, dass man mit einer Niere nur unter strengen Regeln lebt und eine Schwangerschaft zum Beispiel ein Risiko darstellt", sagt Gina.

Gina ist ihrer Mutter sehr dankbar, die sie von klein auf nie als "das kranke Kind" behandelt hat. "Ich habe immer gedacht, wie viel ich machen kann: Habe gelebt, gefeiert und mir wenig Gedanken über ein Leben ohne Niere gemacht. Das war vielleicht auch besser", sagt Gina.

Etwas gegen die Angst tun

Mit 28 arbeitete ihre Niere nicht mehr, sie musste an die Dialyse. Die Untersuchungen ihrer Mutter dauerten knapp ein Jahr. Über Instagram und verschiedene Facebook-Gruppen tauschte sich Gina über das Thema aus. Sie findet, dass man auch darüber sprechen sollte, woher die Angst kommt, seine Organe zu spenden. Am 9. Oktober 2019 bekommt sie die Niere ihrer Mutter eingesetzt und hat sie gut angenommen.

Stefan war nach seiner Herz-Transplantation noch 100 Tage im Krankenhaus. Bei ihm gab es einige Komplikationen nach der Operation: eine Entzündung in der Brust. Er musste weitere sieben Mal operiert werden. Auch laufen musste er wieder lernen. "Weil man voll Wasser gepumpt ist, fällt das Laufen schwer und die Nebenwirkungen haben meine Nerven in den Händen und Füßen kaputt gemacht", erzählt Stefan. Seit November wohnt er jetzt wieder zu Hause, sammelt neue Kräfte und kommt als Übergangsrentner in seinem neuen Leben an. "Es wird noch eine Weile dauern, bis ich regeneriert bin, aber dann kann ich wieder loslegen", so der 33-Jährige.

Stefan kann Menschen verstehen, die kein Spender sein wollen. "Ich bin keinem böse, das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selber trifft. Wenn man aber im eigenen Freundes- oder Familienkreis betroffen ist, denkt man anders über die Sache nach."

Weitere Informationen

Stefans Weg zu einem neuen Herz

Funk-Reporter Milan Panek hat in der Sendung STRG_F Stefan bis in den OP begleitet. Er wollte wissen, wie das Organ vom Spender zum Empfänger kommt und ob der Spender wirklich tot ist.

Ende der weiteren Informationen
Externer Inhalt

Externen Inhalt von YouTube (Video) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von YouTube (Video). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhältst du in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 16.01.2020, 07:00 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt

Webstreams

voting voting

Du bestimmst die YOU FM Playlist und hörst, was du wirklich hören willst.

Dein Song-Feedback
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit