Chinesische Händler locken mit krassen Preisnachlässen.

Eine Smartwatch für 5 Euro, ein Bluetooth-Lautsprecher für 20 Euro. Die Angebote klingen verlockend. Aber was steckt hinter Shopping-Plattformen wie Wish, AliExpress und Joom? Wir sagen euch, ob die Billig-Importe aus China euer Geld Wert sind.

So eine Bestellung aus China kann ein größerer Aufwand sein, als man erst einmal denkt. Aber keine Sorge: Wir führen euch durch den gesamten Bestellvorgang – vom Shopping-Erlebnis über die Bezahlung und den Versand bis hin zum ausgelieferten Produkt.

Um euch das Lesen zu erleichtern, könnt ihr euch über diese Links zu der Stelle im Artikel klicken, die euch besonders interessiert:

  1. Shopping-Erlebnis: Wie sieht’s denn hier aus?
  2. Seriösität: Könnt ihr den Händlern vertrauen?
  3. Bezahlen: So sicher ist euer Geld
  4. Versand: Das solltet ihr beachten
  5. Zoll: Eventuell wird’s teurer als gedacht
  6. Ware: Erwartet nicht zu viel
  7. Ware II: Gefährlicher Schrott
  8. Fazit: Lass ich’s lieber sein?

Erlebnis: "Wish" hat den schönsten Shop, aber nur mit Anmeldung

Online-Händler China: Smartwatch

Grundsätzlich kommen AliExpress, Joom und Wish sehr ähnlich daher. Mit dem einen großen Unterschied, dass ihr euch bei Wish erst anmelden müsst, um überhaupt das Sortiment sehen zu können. Anschließend dürft ihr anfangen zu stöbern. Und die Auswahl ist riesig: Die Produktpalette reicht von Smartwatches über Schminke bis zum Cristiano Ronaldo T-Shirt. Was sofort auffällt? Alles ist crazy runtergesetzt: 89 Prozent, 95 Prozent, die 220-Euro-Kopfhörer jetzt für nur 11 Euro, die Smartwatch nur 5 Euro – Black Friday ist ein Witz dagegen.

Klar ist aber auch: Den durchgestrichenen Preis könnt ihr komplett ignorieren, ihr werdet hier immer so billige Produkte finden. Gleiches Spiel bei Joom und AliExpress. Lasst euch von den angeblichen Rabatten nicht verrückt machen.

Seriösität: "Joom"-Händler wirken am wenigsten vertrauenswürdig

Junger Mann vor seinem Laptop

Aufgebaut sind die Shops wie ihr es von Amazon oder Zalando kennt. Sie wirken mehr oder weniger vertrauenswürdig. Warum nur "mehr oder weniger"? Weil ein paar Sachen doch etwas seltsam sind. Zum Beispiel funktionieren bei AliExpress einige Links nicht oder die Sprache wechselt an manchen Stellen ungefragt von Deutsch zu Englisch. Wish fragt euch ganz am Anfang, ob ihr Damen oder Herren kaufen wollt. Solche Makel mindern ein wenig das Vertrauen.

Sonst ist bei AliExpress und Wish aber alles, wie man es erwartet: Es gibt Produkt- und Händler-Bewertungen und "ähnliche Produkte" werden verlinkt. Joom unterscheidet sich insofern, dass ihr hier zwar eine Händler-Bewertung seht, aber nicht auf den Shop klicken könnt. Ihr seht also keine Einzelbewertungen und könnt nicht nachvollziehen, wie die dreieinhalb Sterne zustande gekommen sind. Dadurch wirken die Händler bei Joom deutlich weniger vertrauenswürdig.

Bezahlen: Die Gute Nachricht - es ist sicher

online-shopping

Bei allen drei Plattformen könnt ihr per Kreditkarte, Paypal oder Klarna (Sofortüberweisung, bei Wish auch Kauf auf Rechnung) bezahlen. Das heißt, ihr seid durch den Käuferschutz eures Bezahldienstes abgesichert.

Kommt eure bestellte Ware nicht an oder ist beschädigt oder defekt, könnt ihr euer Geld zurückfordern.

AliExpress bietet zusätzlich einen eigenen Käuferschutz, die "Buyers Protection". Dadurch wird das Geld solange bei AliExpress gelagert, bis die Ware einwandfrei bei euch angekommen ist. Auch Wish garantiert euch eine Erstattung, wenn die Ware nicht wie beschrieben ist.

In der Praxis scheint das sehr gut zu funktionieren. Nutzer berichten sogar davon, dass sie Geld für beschädigte Ware zurückerhalten haben, ohne das Produkt zurückschicken zu müssen. Und das ist nachvollziehbar, schließlich wäre der Rückversand ganz schön aufwendig.

Apropos Versand: Ihr solltet Geduld mitbringen…

Bis die Ware bei euch ist, kann es zwei Wochen oder länger dauern (billiger oder kostenloser Versand). Unter Umständen kann es sein, dass ihr 40 Tage auf eure Bestellung wartet. Der Grund: Die Sachen kommen von weit her, meistens irgendwo aus Fernost, zum Beispiel aus China. Und sie werden oft mit dem Zug geliefert – das ist billiger, aber dauert natürlich auch länger als mit dem Flugzeug. Wenn ihr also zu einem bestimmten Termin etwas braucht, dann solltet ihr besser nicht bei einer dieser Plattformen bestellen.

Außerdem solltet ihr vor dem Kauf überlegen, ob die billige Bluetooth-Box den weiten Versand (mindestens 5.000 Kilometer bis China) wirklich wert ist. Stichwort Ökologischer Fußabdruck. Diese Frage müsst ihr euch natürlich selbst beantworten. Klimafreundlich ist das Bestellen aus China jedenfalls nicht.

Böse Überraschung bei "AliExpress": Bis zu 50 Euro Versandkosten

Die Versandkosten sind leider nicht überall gleich. Oft lauern hier jede Menge Extrakosten. Bei Wish kann es euch passieren, dass ihr für jedes Produkt einzeln Porto bezahlen müsst – was einfach daran liegt, dass die Plattformen nur Marktplätze sind und ihr die Produkte bei unterschiedlichen Händler bestellt, die sich natürlich alle den Versand bezahlen lassen. Gerade bei billigen Sachen kann das Porto teurer sein als das eigentliche Produkt. Bei Joom ist der Versand kostenlos. AliExpress hat sehr unterschiedliche Versandkosten: Manche Händler verschicken kostenlos, andere Händler verlangen bis zu 50 Euro.

Wollt ihr ein Produkt zurückschicken, weil es euch nicht gefällt, können noch einmal Kosten auf euch zukommen. Bei Joom etwa tragt ihr selbst den Rückversand. Eine Rückerstattung bereits angefallener Steuern und Zollgebühren gibt es nicht.

Zoll: Das kann teuer werden

Wie bei allen Waren, die aus Ländern außerhalb der EU kommen, kann es beim Zoll teuer werden. Auf alle Sendungen über 22 Euro (inklusive Versand) entfällt eine sogenannte Einfuhrsteuer. Diese müsst ihr als Kunde zahlen. Das heißt: 19 Prozent des Preises kommen nochmal oben drauf. (Ab 2021 fällt die Befreiung für Sendungen unter 22 Euro übrigens komplett weg und ihr müsst immer mit einer Einfuhrsteuer rechnen.)

Zusätzlich zu dieser Steuer müsst ihr bei Sendungen über 150 Euro Zoll zahlen, abhängig vom Wert und von dem Land aus dem die Ware kommt. Hier gibt es einen Überblick vom Zoll, welche Kosten für einzelne Produkte auf euch zukommen können.

Blick in die gefüllten Regale beim Hauptzollamt Hamburg

Der Zoll darf auch Pakete öffnen, um den Inhalt zu kontrollieren. Sind Produkte gefälscht, werden sie beschlagnahmt. Hat der Versender alles korrekt angegeben, geht es weiter zum Käufer. Wenn nicht, wird der Warenwert geschätzt. Das kann unter Umständen richtig teuer werden. Fehlen Angaben auf der Sendung, kann es außerdem passieren, dass ihr die Ware bei eurem zuständigen Zollamt abholen müsst. Zu lange Zeit lassen solltet ihr euch damit nicht, denn nach 14 Tagen schicken die Zollämter die Ware zurück an den Absender.

Im Zweifel bedeutet eine Bestellung aus China also jede Menge Stress. Und wofür das Ganze?

Ware: Was bekomme ich am Ende geschickt?

Mann öffnet Paket

Vorneweg: Erwartet nicht zu viel. Stellt euch darauf ein, dass ein Produkt, das ihr bei Wish und Co. bestellt, schlechter ist als die Sachen, die ihr in deutschen beziehungsweise europäischen Online-Shops kauft. Die nachgemachte Bluetooth-Box klingt mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so gut wie das Original. Und wenn ihr Pech habt, geht sie sogar gar nicht. Viele Kunden berichten von Handys, Adaptern oder Powerbanks, die nie funktioniert haben.

Laptop "Lapbook Air" Wish

Die Finger lassen solltet ihr von Produkten, die teure Markenprodukte nachahmen, aber unfassbar viel billiger sind.  Das "LapBook Air" hat mit dem "MacBook Air" weniger gemein als man vermuten würde. Und vermeintliche Markenklamotten zum Spottpreis sind wahrscheinlich fake.

Ware II: Millionen Produkte in Deutschland verboten

Dazu kommt: Billigprodukte können nicht nur schrottig, sondern auch gefährlich sein. Die Bundesnetzagentur hat in Zusammenarbeit mit dem Zoll letztes Jahr über 10 Millionen Produkte aus dem Verkehr gezogen, weil sie bei uns Störungen im Funkverkehr verursacht hätten oder mit ihrer Strahlung andere Geräte hätten beschädigen können. Betroffen waren besonders Bluetooth-Lautsprecher (4,14 Millionen) und Smartwatches (2,42 Millionen).

Der Präsident der Behörde, Jochen Homann, rät: "Verbraucher sollten mindestens darauf achten, dass die Produkte über eine deutschsprachige Bedienungsanleitung verfügen und eine CE-Kennzeichnung haben."

Das CE ist zwar kein Qualitätssiegel, aber es bestätigt, dass das Produkt zumindest den Anforderungen für Gesundheitsschutz, Sicherheit und Umweltschutz der EU genügt.

Fazit: Den Stress nicht wert

Online-Shopping

Solltet ihr nun bei Wish und Co. bestellen? Wir würden sagen: Eher nicht. Dafür sind die meisten Produkte qualitativ einfach zu schlecht. Das Warten nervt genauso wie ihr euer Päckchen eventuell beim Zoll abholen zu müssen.

Wer viel Zeit hat und schlechte Qualität in Kauf nehmen kann, wird vielleicht bei Nippes und Krimskrams glücklich (Es gibt von der Kloleuchte bis zum Totenkopfarmband schließlich fast alles). Aber von vermeintlichen Technik-Schnappern oder von fancy Mode dürft ihr nichts erwarten.

Die Vor- und Nachteile im Überblick:

Bestellen China pro und contra

YOU FM, Dein Samstagmittag, 19.01.2019, 15:30 Uhr

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