Ein Stück Wassermelone

Gurke und Melone essen statt Wasser trinken – das steckt hinter dem Hastag #nowater. Wasser aus der Leitung und aus Plastikflaschen sei ungesund, behauptet die Influencerin Sophie Prana. Wir haben eine Ärztin gefragt, was dran ist.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dieser Fischer lässt sich von Dr. Nadine Linden erklären, was #NoWater so gefährlich macht

YOU FM Moderator Marvin Fischer 2019
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Seit gut einem Jahr hat die österreichische Influencerin Sophie Prana kein Wasser mehr getrunken. Ihre Begründung: Leitungswasser sei durch alte Rohre verunreinigt und auch abgefülltes Wasser würde durch die Plastikflaschen, in denen es es verkauft wird, mit schädlichem Mikroplastik versetzt. Das sei "leeres Wasser", behauptet die 35-Jährige.

"Dry fasting" ist angeblich gut für die Nieren

Stattdessen setzt sie auf Lebensmittel, die von Natur aus schon sehr viel Wasser enthalten, zum Beispiel Gurken, Tomaten, Kokosnüsse und Melonen. "Dry fasting" nennt sie das. Seitdem sie auf Wasser verzichte, arbeiteten ihre Nieren effizienter, ihre Haut sei klarer und Durst habe sie auch keinen, erzählt die Yogalehrerin in einem YouTube-Video.

Auch die Lettin Alise Miksta ist Anhängerin der sogenannten No-Water-Challenge. Ein Guru habe ihr erklärt, dass man Wasser nicht benötige. Außerdem sei es besser für den Körper, ihm statt "gewöhnlichem" Wasser Obst und Gemüse zuzuführen, weil es mehr Mineralstoffe enthalte.

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Ärzte schlagen Alarm

Auf den Instagram-Kanälen von Sophie und Alise bedanken sich einige ihrer Follower für die Ernährungstipps – die meisten aber halten von der Idee nichts. Auch Ärzte schlagen Alarm: "Ich halte das für gefährlich, weil ein Körper doch eine ganze Menge an Flüssigkeiten verbraucht, die wir nicht sehen und nicht bemerken", erklärt Dr. Nadine Linden aus Glauburg im YOU FM Interview.

Etwa 800 Milliliter verlieren wir täglich alleine über die Atmung, die Schleimhäute und Schwitzen. Die Niere scheidet noch einmal 1.000 bis 1.500 Milliliter Flüssigkeit pro Tag aus. Zusammgenrechnet sind das zwei bis zweieinhalb Liter Wasser. "Das sind Mengen, die auch erstmal wieder in den Körper rein müssen", so die Ärztin.

Wir bräuchten 100 Gurken am Tag

Zwar hätten Lebensmittel wie Gurken oder Melonen einen sehr hohen Flüssigkeitsgehalt. "Letztendlich muss man aber gucken, was in Millilitern rauskommen würden, wenn man diese Gemüse- und Obstsorten entsaftet", sagt Dr. Linden. Und: "Wenn man aus einer Gurke etwa 30 Milliliter bekommt, müsste man am Tag gut 100 Gurken essen", stellt sie fest.

Sie rät, täglich anderthalb bis zwei Liter zu trinken. Über die Nahrung würden wir zusätzlich eine Menge von etwa 800 bis 1.000 Milliliter zu uns nehmen. Wer auf Wasser verzichtet, dehydriert früher oder später – und das kann durchaus lebensbedrohlich werden.

Keine Angst vor Leitungswasser

Dass uns Leitungswasser schade, hält Dr. Linden für "absolut blödsinnig." Die Kontrollen für Wasser seien schließlich sehr streng. "Sicherlich gibt es hier und da Schadstoffbelastungen im Wasser, aber das ist alles soweit getestet, dass es auch freigegeben ist und dass der normale Verbraucher das Wasser trinken darf."

Weitere Informationen

#nowater im Schnellcheck

  • Zwar können durch alte Rohre oder Verschmutzung tatsächlich Schadstoffe in unser Leitungswasser gelangen. Die Prüfvorgaben für Wasser sind aber sehr streng. Und letztlich wird das gleiche Wasser auch dazu genutzt, Obst und Gemüse zu wässern oder zu waschen.
  • Sich allein von wasserhaltigem Obst und Gemüse zu ernähren, gleicht den täglichen Flüssigkeitsverlust nicht aus. Dafür führt man seinem Körper aber eine Menge Fruchtzucker zu.
  • Wer ganz sichergehen will, kein Mikroplastik zu sich zu nehmen, setzt auf Wasser in Glasflaschen.
  • Keinen Durst mehr zu haben, bedeutet nicht, dass der Körper keine Flüssigkeit braucht. Es ist eher so, dass er sich an die "Notsituation" anpasst und Flüssigkeit zurückhält. Dadurch funktioniert er aber auch nicht mehr so, wie er eigentlich sollte.
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Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 19.02.2020, 16:00 Uhr

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