Norman Wolf zu Gast bei dieser Freddie im schönen Nachmittag

Norman hat seinen alkoholkranken Vater 12 Jahre lang nicht gesehen und ist überzeugt, dass er nicht mehr lebt. Dann schickt ihm ein Unbekannter ein Foto eines obdachlosen Mannes, in dem Norman seinen Vater wiedererkennt. Die Geschichte über den Verlust und das Wiederfinden seines Vaters hat Norman jetzt aufgeschrieben.

Nachdem er acht Jahre lang nichts mehr von seinen Vater gehört hatte, dachte Norman, sein Vater würde gar nicht mehr leben. Er wusste zwar, dass sein Vater auf der Straße gelebt hat und starker Trinker war, doch alle Versuche, seinen genauen Aufenthaltsort ausfindig zu machen, waren fehlgeschlagen. Auch ein Gericht hatte seinen Vater offiziell als nicht auffindbar gekennzeichnet.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Norman Wolf hat seinen obdachlosen Vater gesucht

maintower
Ende des Videobeitrags

Als Norman 12 Jahre alt war, hatte der Vater die Familie verlassen. Er hatte seinen Job verloren und Alkoholprobleme bekommen. Er meldete sich noch zweimal per Telefon: zu Normans 14. und zu seinem 16. Geburtstag. "Da war er sturzbetrunken, als er angerufen hat." Danach war Funkstille.

Whatsapp von einer unbekannten Nummer

Bis Norman 24 Jahre alt war: Da bekam er plötzlich eine Whatsapp von einer unbekannten Nummer. Der Inhaber der Nummer wurde in Hamburg auf der Straße von einem Mann angesprochen, der ihn darum gebeten hat, nach seinen Kindern zu suchen. "Ich dachte erst, ich werde veräppelt", erzählt Norman im YOU FM Interview. Doch der Fremde kannte viele Details über seine Familie. Trotzdem brach der Kontakt zu dem Vermittler nach einigem Hin- und Herschreiben ab.

Doch jetzt hatte Norman einen wertvollen Hinweis: Er wusste, dass sein Vater noch lebt, irgendwo in Hamburg auf der Straße. Außerdem hatte er ein aktuelles Foto von ihm. Aber die Hamburger Polizei konnte Norman nicht sagen, wo genau er seinen Vater finden konnte. Da Norman zu genau dieser Zeit als Au-Pair nach Boston gehen wollte und alles für den Auslandsaufenthalt vrobereitet war, entschied er sich, zu gehen.

Suche per Twitter

Das Twitterlogo auf einem Handydisplay

Aber auch in den USA ging ihm sein Vater nicht mehr aus dem Kopf. An Weihnachten entschied sich Norman, über Twitter nach Hinweisen über seinen Papa zu suchen und postete dort das Bild seines Vaters.

Schon nach einer Stunde wurde der Tweet von mehr als 6.000 Menschen geteilt. "Das war total überwältigend", erzählt er. Tatsächlich erkannte ihn jemand wieder und so kam es, dass Norman nach acht Jahren wieder mit seinem Papa telefonieren konnte.

Das erste Treffen nach 12 Jahren

Einige Tage später flog Norman wieder nach Deutschland und kam mit seiner besten Freundin nach Hamburg, um seinen Vater zu treffen. Er fand ihn in einer Sparkasse auf dem Boden liegend.

Im ersten, eher kurzen Gespräch mussten die beiden sich erst einmal aneinander rantasten. Seine negativen Gefühle behielt Norman für sich: "Ich war nie wütend, ich hab relativ früh verstanden, dass er nicht wollte, was mit ihm passiert", sagt er über die Alkoholerkrankung seines Vaters.

"Ich weiß nicht, wie oft ich an dem Tag 'Papa' zu ihm gesagt habe"

Auch wenn sich sein Vater in keinem guten Zustand befand, war Norman glücklich über das erste Treffen nach so langer Zeit. "Es war total unglaublich, ich hab es erstmal ausgekostet, dass ich 'Papa' zu ihm sagen kann. Ich weiß nicht, wie oft ich an dem Tag 'Papa' zu ihm gesagt habe, einfach um dieses Gefühl zu haben, dass man wieder einen hat."

Doch dann setzte schnell die Frustration ein, denn Normans Vater wollte sich nicht helfen lassen. Mehrfach hat er seinen Vater bereits gefragt, ob er nicht wieder in eine Wohnung ziehen will. "Aber er will keine Betreuung und er ist nicht in dem geistigen Zustand, alleine zu wohnen", erzählt er Freddie.

Weitere Informationen

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr oder jemand in eurem Umfeld ein Alkohol-Problem hat, dann gibt es bei den Anonymen Alkoholikern (AA) ein einfaches Zwölf-Fragen-Quiz, das euch eine Antwort auf die Frage erleichtern soll.

Ende der weiteren Informationen

Aufgeben will Norman aber nicht: "Wir fahren regelmäßig nach Hamburg und schauen nach ihm und bieten ihm Hilfe an und er schlägt sie immer wieder aus." Auch vor Ort in Hamburg kümmern sich Menschen um Normans Vater; bringen ihm Lebensmittel oder frische Kleidung vorbei.

Verabeitung durch den Schreibprozess

Über den Verlust und das Wiederfinden seines Vaters hat Norman das Buch "Die Fische schlafen noch" geschrieben. Zwar sei der Schreibprozess nicht einfach gewesen, aber es habe ihm auch geholfen. "Ich hab ganz viel geweint, aber danach ging es mir immer besser", erzählt Norman.

Und auch dem Rest seiner Familie – seiner Mutter und seinem Bruder – ist Norman dadurch näher gekommen, weil sie offen über das Geschehene sprechen mussten. "Papa wurde bei uns immer totgeschwiegen. Seit er weg war, haben wir nur noch über ihn gesprochen, wenn es unbedingt nötig war", erzählt Norman aus seiner Jugend.

Auch das habe dabei geholfen, die Gefühle der Trauer und des Verlusts zu verarbeiten, so Norman. "Das war total schön, nicht das Gefühl zu haben, jeder kämpft für sich allein."

Aktueller Song:
Lädt
Lädt

Webstreams

voting voting

Du bestimmst die YOU FM Playlist und hörst, was du wirklich hören willst.

Dein Song-Feedback
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit