Autistin Nici

Die Netflix-Serie "Liebe im Spektrum" begleitet Menschen im Autismus-Spektrum auf ihrer Suche nach Liebe. Wichtige Aufklärungsarbeit oder unnötige Zurschaustellung? Wir haben bei einer Autistin nachgefragt.

Augenkontakt halten, Hände schütteln, Ironie und Sarkasmus verstehen – all das kann für Menschen im Autismus-Spektrum zur Herausforderung werden. Wie ist Dating für Menschen, die Probleme damit haben, soziale und emotionale Signale einzuschätzen?

Die fünfteilige Netflix-Serie "Liebe im Spektrum" gibt Einblick in die Dating-Erfahrungen von jungen Autist*innen: Einige haben bereits Liebe gefunden, andere sind noch auf der Suche.

Nici, die 2017 mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, hat die Netflix-Serie kompett gesehen. Ihr Urteil: "Vor allem verglichen mit anderen Serien, die es zum Thema Autismus gibt, finde ich sie sehr gut", sagt die 25-Jährige.

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Eine Serie von Nicht-Autist*innen für Nicht-Autist*innen?

Es ist ein schmaler Grat: Die Serie begegnet den Protagonist*innen zwar mit Respekt, doch sie stellt auch die Lebensrealität von Autist*innen für neurotypische Menschen zur Schau mit all ihren vermeintlich "skurril" erscheinenden Eigenschaften, Vorlieben und Abneigungen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Das Schönste wäre natürlich, wenn die Zuschauer*innen lernen würden, dass das Autismus-Spektrum sehr breit ist", sagt Nici über die Serie "Liebe im Spektrum".

Chloe and Marcus aus Liebe im Spektrum
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Nici wünscht sich, dass die Zuschauer*innen sensibel mit dem Inhalt der Serie umgehen und nicht über die Menschen im Autismus-Spektrum lachen: "Natürlich kann man sich leicht über die Menschen lustig machen und sich denken: 'Ach krass, die haben so komische Probleme, die wir nicht haben'. Aber wenn man das Ganze ernst nimmt, ist es eine super Serie und dann wird auch niemand vorgeführt", findet Nici.

Wenn "Liebe im Spektrum" dabei hilft, für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft zu sorgen, sei das ein Gewinn: "Ich finde es extrem wichtig, dass Aufklärungsarbeit geleistet wird, weil es noch so viele Vorurteile zum Thema Autismus gibt."

Autismus-Spektrum wird nicht in seiner ganzen Vielfalt dargestellt

Dennoch hat Nici auch Kritik an der Serie: Die Protagonist*innen sind alles Autist*innen, die sehr starke Probleme im Bereich der sozialen Kommunikation und Interaktion haben. Damit verpasst die Serie, einen wichtigen Aspekt der Entwicklungsstörung darzustellen.

"Das Schönste wäre natürlich, wenn die Zuschauer*innen lernen würden, dass das Autismus-Spektrum sehr breit ist und dass es ganz viele unterschiedliche Autist*innen gibt", so Nici. Zum Beispiel, dass es auch Menschen im Spektrum gibt, denen man ihre Beeinträchtigung im Alltag überhaupt nicht anmerkt.

Außerdem daten die Protagonist*innen der Serie ausschließlich andere Menschen mit Beeinträchtigung. Das sei nicht sehr inklusiv. Nicis Freund zum Beispiel hat keine Beeinträchtigung.

"Das Schwierigste war das Flirten"

Als sie ihren jetzigen Freund kennenlernte, war es für die 25-Jährige vor allem schwierig einzuschätzen, wann er mit ihr flirtete und wann nicht, erzählt sie im Interview. Da er aber wusste, dass Nici Autistin ist, konnte er mit eindeutiger Kommunikation Missverständnisse vermeiden.

Weitere Informationen

Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom unterscheidet sich laut dem Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus von anderen Formen des Autismus dadurch, dass oft keine Entwicklungsverzögerung bzw. kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist.

Ende der weiteren Informationen

Seit drei Jahren hat Nici ihre Diagnose: Die Studentin bezeichnet sich selbst als Autistin und sagt nicht, dass sie Autismus "hat", denn sie findet, Autismus ist keine Krankheit, die man heilen kann, sondern eine Behinderung, die zu ihr gehört.

Vorangegangen war für die 25-Jährige eine jahrelange Suche: Zunächst wurde ihr ein Verdacht auf eine mögliche beginnende Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, daraufhin entwickelte sie eine Essstörung und eine Depression.

Dass sie das Asperger-Syndrom hat – eine Form von Autismus –, hat Nici schließlich selbst herausgefunden, nachdem sie eine Dokumentation darüber gesehen hatte und sich sofort darin wiederfand. 

Dank der Diagnose versteht sie heute vieles besser: Sie weiß, dass sie Schwierigkeiten mit Veränderungen hat, sie Strukturen und Routinen braucht und kann ihren Alltag danach ausrichten. Ihre Erfahrungen teilt Nici auf ihrem Blog "unbemerkt.eu".

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 12.08.2020, 14:30 Uhr

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