Mona Lina (Lina Burghausen) ist Musikpromoterin, freie Autorin und DJ aus Leipzig

Rap ist ein Männerbusiness. Eine, die das ändern will, ist Lina Burghausen: Sie ist Mitbegründerin von "365XX" – einem Label, das ausschließlich weibliche Künstlerinnen unter Vertrag nimmt.

Schon als kleines Mädchen ist Lina ein riesiger Hip-Hop-Fan. "Ich habe am Anfang gar nicht reflektiert, dass es im Hip-Hop ein Sexismus-Problem gibt", erzählt sie im YOU FM Interview. Nach und nach erkannte die Wahl-Leipzigerin, dass andere Frauen wenig mit dem Genre anfangen konnten und dass es dafür Gründe gibt.

Die meisten hätten das Gefühl, allein zu sein und sich ständig gegenüber Männern beweisen zu müssen. Lina, die auch in ihrem Job als Journalistin, PR-Agentin und Musikpromoterin viel mit Hip-Hop zu tun hat, wurde klar: "Ich war irgendwann in der Position, in der ich gemerkt habe, ich habe den Einfluss aber auch die Verantwortung, etwas zu verändern".

So supportet Mona Lina andere Frauen

Vor Kurzem brauchte Lina zusammen mit dem Brüsseler Independentlabel [PIAS] das Label "365XX" an den Start. Dort werden ausschließlich weibliche und nicht-binäre Artists unter Vertrag genommen.

Aktuell hat "365XX" noch niemanden gesignt; die Verhandlungen mit ersten Künstlerinnen laufen aber bereits. "Ich habe eine riesige Exceltabelle mit über 1.500 Rapperinnen und es werden immer mehr". Hätte sie neben ihrem Job als Musikpromoterin und -managerin, Autorin und PR-Agentin mehr Zeit zu recherchieren, wären es sogar deutlich mehr, vermutet Lina.

Preisgekrönte Arbeit

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was sich Lina für weibliche Artists wünscht

Mona Lina vor einem Plattenregal
Ende des Audiobeitrags

Weibliche Artists mit einem eigenen Label zu fördern und eine Plattform zu geben, ist nur die logische Konsequenz aus ihrem Projekt "365 Female MCs". Auf ihrem Blog stellte sie über ein Jahr lang 365 weibliche MCs aus der ganzen Welt vor. Von Superstars wie Missy Elliot oder Nicki Minaj bis hin zu Rap aus Finnland von Sini Sabotage sind darin Künstlerinnen quer durch alle Stile und Jahrzehnte vertreten.

"Oft heißt es, es gäbe ja keine (guten) Rapperinnen. Also habe ich mich auf die Suche begeben, nach den angeblich so seltenen Spezies der rappenden Frauen – eine zugegeben recht kurze Suche, denn Vertreterinnen des Genres gibt es wie Sand am Meer", schreibt sie in der Einleitung zu ihrem zwölfteiligen Blogbeitrag. Für ihre Arbeit wurde sie 2019 mit dem International Music Journalism Award in der Kategorie "Beste musikjournalistische Arbeit unter 30 Jahren" ausgezeichnet.

Fehlende weibliche Vorbilder

Aber warum ist Hip-Hop so eine Männerdomäne? Lina ist überzeugt, dass es schon mit der unterschiedlichen Erziehung von Jungen und Mädchen anfängt: "Ich glaube, dass es für Mädchen in unserer Gesellschaft ein längerer Weg ist, sich für Hip-Hop zu begeistern und dann auch noch auf die Idee zu kommen, selbst zu partizipieren, als für Jungs."

Zitat
„Ich wünsche mir einfach generell, dass wir nicht mehr über Geschlechter reden müssen.“ Zitat von Lina Burghausen
Zitat Ende

Außerdem fehlten sichtbare Vorbilder. "Es gab zwar immer krasse Frauen im Hip-Hop, aber sie waren nie so sichtbar, wie ihre männlichen Kollegen", findet die Autorin und Musikpromoterin. Glücklicherweise verändere sich das langsam: Je mehr Frauen im Rapbusiness vertreten seien, desto mehr ließen sich davon inspirieren.

Kein Hip-Hop exklusives Problem

Dass Frauen sich einen Platz am Mikrofon erkämpfen müssen, ist aber nicht nur im Musikgenre Hip-Hop ein Problem. In vielen Subkulturen seien Künstlerinnen unterrepräsentiert, egal ob Elektro, Techno, oder Metal, weiß Lina. "Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass es in anderen Grenres noch schlimmer ist. Der Unterschied ist halt, dass Hip-Hop explizitier ist in seinen Texten."

Mona Lina (Lina Burghausen) vor einem Plattenregal

Genau die Texte sind auch der Grund, weshalb im Hip-Hop immer wieder über Sexismus und Frauenfeindlichkeit diskutiert wird. Lina war früher großer Fan von Rap aus den Südstaaten der USA. "Die Texte kann ich mir heute größtenteils nicht mehr anhören, ohne Gänsehaut zu bekommen."

Frauenfeinliche Texte findet die Musikpromoterin insbesondere dann problematisch, wenn die Rapper im selben Atemzug von ihrer Authentizität sprechen, wie Fler und Gzuz etwa. Der Sexismus werde dann mit der Begründung in Schutz genommen, dass es sich um eine Kunstfigur handele, dass Aussagen überspitzt und nicht ernst gemeint seien. "Wenn ein Rapper aber sagt, er ist real und authentisch, kann er Sexismus nicht mit einer Kunstfigur rechtfertigen." Es gebe anderen guten Rap, der ohne sexistische Texte auskomme, findet Lina.

Und Frauen, die gegen Männer schießen?

Natürlich gibt es auch weibliche MCs, die zu solchen Stilmitteln greifen, doch eher, um zurückzuschießen, meint Lina. "Ich habe nicht das Gefühl, dass es im weiblichen Rap eine übergeordnete Rolle spielt." Zudem sei es ein struktureller Unterschied, ob man nach unten trete, oder ob eine Frau einen Mann angreift und dabei Lyrics als Ermächtigungstool nutzt. "Das heißt nicht, dass ich das immer gutheiße oder es nicht auch unter der Gürtellinie finde", betont sie.

Überhaupt wünscht sich Lina, dass in der Musikindustrie Strukturen geschaffen werden, die Frauen genauso ernst nehmen wie Männer und dass Künstlerinnen mit der gleichen Selbstverständlichkeit rezipiert werden. So lange das noch nicht so ist, setzt sie sich für Netzwerke ein, die Frauen fördern.

Sendung: YOU FM Der schöne Nachmittag, 06.03.20, 14:30 Uhr

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