Schneemann auf dem Großen Feldberg

Extrem heiße Sommer, milde Winter, Unwetter mit Starkregen und Windhosen – dass sich das Wetter in Hessen verändert, ist nicht zu übersehen. Atmosphärenforscher Dr. Andreas Kürten erklärt im YOU FM Interview, wie es in Zukunft aussehen wird.

Erst Temperaturen bis zu 40 Grad und extreme Trockenheit, dann Unwetter mit Starkregen und Gewitter – dieser Sommer hat es in sich. Erst vor Kurzem hat ein schweres Unwetter im Rhein-Main-Gebiet gewütet und Schäden in Millionenhöhe angerichtet.

Atmosphärenforscher Dr. Andreas Kürten von der Goethe Uni in Frankfurt ist sich sicher, dass wir uns an solche Wetterextreme gewöhnen müssen. Denn: "Der Klimawandel findet bereits statt und hat bereits stattgefunden", sagt er im YOU FM Interview.

Drei bis sechs Grad mehr in den nächsten Jahren

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Atmosphärenforscher Dr. Andreas Kürten erklärt, was gegen die Hitze in Städten getan werden kann

Atmosphärenforscher Dr. Andreas Kürten
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In den letzten 100 Jahren sei die Jahresmitteltemperatur in Hessen und Deutschland ungefähr ein Grad wärmer geworden. Das klingt erstmal nach gar nicht so viel.

"Es gibt aber Klimaprognosen für den Fall, dass wir mit dem CO2-Ausstoß so weiter machen wie bisher, dann können uns Temperaturanstiege von drei bis sechs Grad blühen", so Kürten. Die Folge: Hitzewellen, Trockenperioden und Niederschläge nehmen zu.

Probleme für deutsche Landwirte

Das habe einerseits natürlich Auswirkungen auf die Natur. Die Gefahr von Waldbränden wird steigen und viele Bäume werden aufgrund der langen Trockenheit absterben.

Waldbrand in Offenbach

Deutschen Landwirten drohen dann Ernteeinbußen. Kürten ist trotzdem optimistisch, dass wir auch in 20 Jahren noch Erdbeeren und Kirschen essen können. "Wir leben in einer globalisierten Welt. Wenn es in irgendwelchen Regionen zu Ernteausfällen kommt, kann das sicher durch andere Anbaugebiete kompensiert werden."

Kein Schnee mehr in Hessen?

Auf der anderen Seite führe die Klimaveränderung auch dazu, dass es auf das Jahr gesehen weniger richtig kalte Tage gibt – und damit seltener Schnee.

"Es könnte auch mal wieder einen kälteren Winter geben", sagt Kürten, "aber wir haben weniger Frosttage, also Tage, an denen die Temperatur unter null Grad fällt. Und selbst zur Produktion von Kunstschnee braucht man Temperaturen von unter null Grad."

Auswirkungen auf uns Menschen

Das sich verändernde Klima wirkt sich auch auf uns Menschen aus, erklärt der Atmosphärenforscher. Durch den Anstieg des Meeresspiegels seien die Lebensbedingungen in vielen Küstenregionen gefährdet. "Der Hitzestress belastet außerdem ältere und kranke Menschen, aber auch solche, die viel im Freien arbeiten."

meeresspiegel

Während Hitzeperioden lasse sich zum Beispiel feststellen, dass die Anzahl der Todesfälle zunimmt. Auch die Beschwerden für Allergiker würden steigen, genauso wie die Gefahr, dass fremde Mückenarten sich hierzulande ansiedeln und Krankheiten übertragen.

Kürtens Forderung: Die Politik muss endlich handeln

Von der Politik erwartet sich der Forscher deshalb endlich konkretes Handeln. "Deutschland hat sich für internationale Klimaziele verpflichtet, aber da wird einfach zu wenig getan."

In der Einführung einer CO2-Steuer sieht er einen ersten Anknüpfungspunkt. "Dadurch hätte man eine gewisse Lenkungswirkung, dass der Konsument bevorzugt zu Produkten greift, die günstiger sind, weil sie eben weniger Steuer und weniger CO2-Emissionen beinhalten. Das würde sicher zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes führen."

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 28.08.2019

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