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Etwa zwei Prozent der deutschen Bevölkerung sind hochbegabt. Sie können komplexe Zusammenhänge schneller erkennen als der Durchschnitt. Aber ist dadurch wirklich alles leichter? Y-Kollektiv-Reporterin Carolin hat zwei Hochbegabte getroffen.

Der Durschnittsdeutsche hat einen IQ von 100. Yanis und Nicole liegen weit darüber: Sie sind hochbegabt. Ab einem IQ von 130 zählt man zu diesem Spektrum.

Y-Kollektiv-Reporterin Carolin von der Groeben will verstehen, wie das Leben als Hochbegabte*r ist und hat die beiden einen Tag lang begleitet. Dabei stellt sie fest: Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht – und Hochbegabung bringt auch Schwierigkeiten mit sich.

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Schon mit acht stellt Yanis komplizierte Berechnungen auf

Bei dem 19-Jährigen aus der Schweiz fällt schon früh auf, dass er "anders" ist. Als er ungefähr drei Jahre alt ist, wird seiner Mutter von einer Spielgruppen-Leiterin gesagt, er müsse noch lernen, ein Kind zu sein. Mit acht Jahren berechnet er, wie viel Material für den Umbau des Kindergartens benötigt wird. Und mit 12 Jahren wechselt er zum dritten Mal die Schule und besucht ein Halbtagsgymnasium für Erwachsene.

Immer wieder fallen ihm Logikfehler in seiner Umgebung auf: Warum essen Leute Schokolade oder trinken Alkohol, wenn es doch logisch ist, dass es dem Körper nicht gut tut? Er kann das Mitdenken nicht lassen, korrigiert andere – auch seine Lehrer. "Und das mögen die meisten nicht", sagt er nüchtern. Einen Abschluss macht er letztlich nicht – die Unterforderung und das Schulsystem haben ihn krank gemacht.

Mit der Diagnose verschwinden Nicoles Selbstzweifel

Die 34-jährige Nicole erfuhr erst vor zwei Jahren, dass sie hochbegabt ist. Sie hat nur ein durchschnittliches Abi, spielt in ihrer Jugend weder Schach noch Cello. Nichts scheint daraufhin zu deuten, dass sie überdurchschnittlich intelligent ist.

Und doch ergibt nach der Diagnose alles Sinn: dass sie schneller als ihre Mitmenschen ihre Schlüsse zieht, sich beim Einkaufen schwer tut mit der Auswahl – und dass sie die Uhr nicht lesen konnte, bis sie 30 Jahre alt war.

"Der kleine Zeiger zeigt doch schon alle wichtigen Informationen. Ich wusste immer nicht, was ich mit dem großen anstellen soll. Addiere ich das irgendwie?", versucht sie Carolin ihre Probleme damit zu erläutern. Mit der Erkenntnis, dass sie hochbegabt ist, verschwinden ihre Selbstzweifel und sie gründet ein Netzwerk für hochbegabte Frauen.

Hohen IQ birgt auch Schwierigkeiten

Reporterin Carolin merkt: Mit einem hohen IQ wird nicht alles leichter. Banalen Dingen wird eine große Bedeutung zugemessen, sodass kaum eine Entscheidung ohne viel Nachdenken getroffen werden kann. Sie wünscht sich, dass Hochbegabte nicht als Besserwisser abgestempelt werden – sieht sie aber auch in der Verantwortung, den "Normalos" das gleiche Verständnis entgegenzubringen, das sie von anderen erwarten.

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Der IQ misst die kognitive Leistungsfähigkeit

Je leichter das Erkennen von Zusammenhängen fällt, umso höher der IQ. Der australische Mathematiker Terence Tao hat mit 230 den höchsten je gemessenen IQ.

Hochbegabte nehmen ihre Umgebung grundsätzlich intensiver wahr. Sie riechen besser, sehen besser, haben laut Studien sogar eine schnellere Wundheilung. Der IQ kann auch Auswirkungen auf emotionale Intelligenz haben, er bedingt sie aber nicht.

Hochbegabung ist bei Männern und Frauen etwa gleich verteilt. Bei Frauen wird sie aber seltener erkannt. Während Jungs bei Unterforderung dazu neigen, auffällig zu werden, machen Mädchen das mit sich aus und ziehen sich zurück.

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Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 12.03.2020, 05:00 Uhr

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