Benne und Timo machen einen Antikörper-Test Splitscreen

Hatte ich unbemerkt vielleicht doch schon Corona? Das wollen wir wahrscheinlich alle wissen. Timo und Benne aus der YOU FM Good Morning Show haben deshalb einen Antikörpertest aus der Drogerie gemacht. Das Ergenis: Timo hat tatsächlich Antikörper. Was bedeutet das jetzt? Virologe Martin Stürmer gibt Antworten.

Wie funktioniert der Antikörpertest?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Virologe Martin Stürmer erklärt Timo und Benne, was ein positiver Antikörpertest bedeutet

Benne und Timo
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Das Test-Kit, das Timo und Benne benutzen, kostet circa 60 Euro. Es enthält eine Lanzette, mit der man sich zur Blutentnahme in den Finger piekst. Außerdem liegen bei: ein Röhrchen, mit dem man das Blut auffangen soll, Desinfektionstüchter zur Reinigung des Fingers und Pflaster für danach.

Man registriert sich mit einer ID, die auf dem Kit vermerkt ist, auf der Website oder in der App des Herstellers, füllt einen Fragebogen zu Vorerkrankungen aus und sendet das Röhrchen kostenlos ins Labor. Dort wird die Probe auf spezifische Antikörper der Klasse IgG gegen das Virus SARS-CoV-2 untersucht. Nach 12-48 Stunden liegt das Testergebnis im Benutzerkonto auf der Website vor.

Was sagt mir so ein Test?

Der Test überprüft, ob im Körper sogenannte Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet wurden. Die entstehen in der Regel frühestens 14 Tage nach einer Infektion. Können Antikörper nachgewiesen werden, ist das ein Hinweis darauf, dass man mit dem Virus infiziert war.

Aktuell kann man daraus aber noch nicht schließen, dass man immun gegen das Coronavirus ist. Bei vielen Infizierten halten die Antikörper laut Virologe Martin Stürmer nur sechs bis neun Monate vor. "Das ist ein sehr dehnbarer Zeitpunkt. Im Moment wissen wir nicht, wie schnell sie im individuellen Patienten kommen und gehen", sagt er im YOU FM Interview.

Eine akute Infektion lässt sich nur mit einem PCR-Test nachweisen. Der wird in der Regel durchgeführt, wenn man Symptome zeigt.

Wie verlässlich sind diese Tests für zuhause?

Das sei sehr unterschiedlich, erklärt Virologe Stürmer. "Es gibt Antikörpertests, die macht man komplett zuhause. Von denen würde ich eher abraten, weil ich denke, eine Durchführung eines Tests gehört ins Labor."

Bei Tests, die eine Blutabnahme zuhause voraussetzen, ist er optimistischer. Da die Probe im Labor untersucht wird, schätzt Stürmer die Zuverlässigkeit hier ähnlich ein wie bei Testungen, die im Labor vorgenommen werden.

Weitere Informationen

Packungsbeilage lesen!

Im Beipackzettel muss jeder Hersteller die Spezifität und Sensivität seines Tests angeben. Das gibt an, wie genau Patienten ohne (Spezifität) und Patienten mit der Krankheit (Sensivität) korrekt identifiziert werden. Test-Kits für zuhause seien dabei häufig schlechter aufgestellt als Tests im Labor, sagt Virologe Martin Stürmer.

Ende der weiteren Informationen

Allerdings: Das Blut muss man sich erstmal ausreichend entnehmen. "Auch die Interpretation des Tests ist mehr oder weniger einem selbst überlassen anhand von Packungsbeilagen und Internet", gibt Stürmer zu bedenken.

Was bedeutet es, wenn der Antikörpertest positiv ist?

Ein positives Testergebnis bedeutet, dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Coronavirus infiziert und zu diesem Zeitpunkt vermutlich auch ansteckend war. Da sich Antikörper in der Regel erst 14 Tage nach einer Infektion bilden, bedeutet ein positives Antikörpertest-Ergebnis kein aktues Ansteckungsrisiko für andere.

"Die ganze Umgebung muss jetzt nicht in Panik verfallen und sich in Quarantäne begeben. Der Punkt, an dem Sie hätten anstecken können, liegt in der Vergangenheit", beruhigt Virologe Stürmer. Es muss daher auch kein PCR-Test gemacht werden – der wäre nach so langer Zeit ohnehin wieder negativ, erklärt er.

Muss ich noch einen zweiten Antikörpertest machen?

Wer sich das positive Ergebnis gar nicht erklären kann, kann natürlich einen zweiten Antikörpertest machen, zum Beispiel von einem anderen Hersteller oder direkt im Labor. Ist das Ergebnis auch beim zweiten Mal positiv, spricht laut dem Virologen "relativ viel dafür, dass es echte Antikörper sind".

Der Virologe Martin Stürmer im Labor

Ist das Ergebnis beim zweiten Test negativ, gibt es verschiedene Interpretationen, erklärt Stürmer: "Dann kann es sein, dass Sie sehr wenig Antikörper haben, dass es bei dem einen Test noch positiv ist, bei dem anderen schon nicht mehr positiv ist oder aber, dass das Ergebnis ein sogenanntes falsch-positives Ergebnis ist."

Die Antikörper-Diagnostik sei geeignet, um ein Gefühl für Dunkelziffern zu bekommen. "Aber auf individueller Basis ist da relativ viel Spielraum, was die Interpretation des Ergebnisses angeht. Auch das negative Testergebnis heißt nicht, dass Sie die Infektion nicht durchgemacht haben. Sie könnten sie auch gehabt haben, nur Ihre Antikörper sind schon wieder verschwunden", so Stürmer.

Was passiert mit meinen Daten?

Im Befund des Tests, den Timo und Benne gemacht haben, steht, dass die Daten anonym an das Robert-Koch-Institut übermittelt werden. Stürmer vermutet, dass sie dort in eine Datensammlung einfließen, die eine Einschätzung über die Dunkelziffer geben soll.

"Ich kann mir nicht vorstellen und fände es nicht gerechtfertig, wenn Sie in die Statistik als zusätzlicher Fall eingerechnet werden, weil man gar nicht zurückverfolgen kann, wann Sie die Infektion durchgemacht haben", meint Stürmer. Jetzt Antikörpertests in die Statistik einzubeziehen, würde die Daten verfälschen.

Muss ich die AHA-Regeln trotzdem noch befolgen?

Ja! Verhaltet euch auch bei einem positiven Antikörpertest-Ergebnis genauso vorsichtig wie vorher. Aktuell weiß man noch nicht, wie lange die Immunität anhält. Außerdem ist es bereits vorgekommen, dass zuvor Infizierte sich ein zweites Mal angesteckt haben.

Sendung: YOU FM, Die Good Morning Show, 19.11.2020, 05:00 Uhr

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