Asexualität
Asexualität schließt Liebe, Beziehung und Sex nicht aus. Bild © Photo by Toa Heftiba on Unsplash

Asexuelle haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen: Während manche bezweifeln, dass es Asexualität überhaupt gibt, halten andere die Menschen, die so fühlen, für prüde. Wir haben mit zwei Asexuellen darüber gesprochen, wie es ist, keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen zu verspüren. Fest steht: Es gibt nicht nur eine Form von Asexualität.

Benes Geschichte
Katis Geschichte

Bene: "Es ist ein Spektrum, wo sich jeder finden muss"

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Asexualität

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bene aus Witzenhausen erklärt, was Asexualität bedeutet

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Angefangen hat alles als Bene 16 war. Damals hat er gemerkt, dass bei ihm etwas in Beziehungen nicht so ist wie bei anderen. Er ist homo-romantisch. Für ihn funktionieren die romantische und die sexuelle Ebene getrennt voneinander. "Ich hab nicht dieses Gefühl, dass ich jemanden sehe und mit demjenigen schlafen will", erklärt er im YOU FM Interview mit dieser Freddie aus dem schönen Nachmittag.

Benes zwei Ex-Partner konnten damit nicht umgehen. Mit dem ersten Freund war er drei Jahre, mit dem zweiten ein Jahr lang zusammen. Der ist ihm am Ende fremdgegangen. Zwar gibt es auch Asexuelle, die eine offene Beziehung führen, für Bene ist das allerdings nicht vorstellbar.

Asexualtität ist nicht gleich Asexualtität

Weitere Informationen

Asexualtität

Die Internet-Plattform Asexual Visibility and Education Network (AVEN) definiert Asexualität als Abwesenheit des Verlangens nach sexueller Interaktion. Auch wenn asexuelle Menschen keine sexuelle Anziehung verspüren, haben manche eine Libido (spontanes Auftreten von sexueller Erregung oder dem Bedürfnis nach Masturbation), die unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Asexuell zu sein bedeutet nicht, keinen Sex zu haben. Einige Asexuelle haben Sex, andere nicht.

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Mit ungefähr 20 hat Bene begonnen, sich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Über ein Forum ist er in eine WhatsApp Gruppe gekommen, hat Kontakte geknüpft und Fragen gestellt. Dort wird über alles Mögliche gesprochen. Oft werden "Neue" aufgeklärt, die auf der Suche nach Antworten sind. Es tue gut, über das Thema zu sprechen und zu wissen, die anderen verstünden einen, sagt Bene über den Safer Space.

Denn Asexualtität ist nicht gleich Asexualtität. "Es ist bei jeder Person ein bisschen anders, es ist ein Spektrum, wo sich jeder finden muss", sagt Bene. Genau das sorgt häufig für Verwirrung, sowohl bei Menschen, die versuchen, sich darin wiederzufinden, als auch bei Außenstehenden.

Asexualtität ist nicht gleich prüde

Für das größte Missverständnis hält Bene, dass andere sagen, Asexualität existiere nicht oder Menschen, die so fühlen, seien prüde. Er wirbt für Verständnis: "Ich glaube, jeder lebt und liebt, wie er ist."

Sein jetziger Partner ist auch asexuell. Die beiden sind seit zwei Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sie sich in einer Chat-Gruppe zum Thema. Die beiden haben Sex, nicht oft und mehr auf das generelle Verlangen hin.

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„Es ist sehr individuell und es gilt Regeln für sich zu finden, die einem gut tun.“ Zitat von Bene
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Bene ist aber auch überzeugt: "Man kann auch mit sexuell aktiveren Menschen eine Beziehung führen.2 Wichtig sei es, miteinander zu reden und und Kompromisse zu finden. Die können sehr unterschiedlich aussehen: Manche haben Sex, auch wenn er ihnen nichts gibt. Manche gehen eine offene Beziehung ein. "Es ist sehr individuell und es gilt Regeln für sich zu finden, die einem gut tun", sagt er.

Kati: "Mit 20 habe ich mich gefragt, was eigentlich mit mir los ist"

Asexualität
Kati Radloff unterrichtet Englisch und Informatik an einer Berliner Schule. Bild © privat

Kati hat ein Forum gegründet für Menschen, die kein Verlangen nach Sex haben. Dort können sich Leute finden, die sich als asexuell identifizieren oder herausfinden möchten, ob das auf sie passt.

Während ihrer Pubertät hat Kati das erste Mal gemerkt, dass sie anders empfindet als Freunde und Mitschüler, wenn es um Sex geht. Zunächst dachte sie, sie wäre ein Spätzünder. Doch mit 20 war es immer noch so, dass sie sich nicht für Sex interessierte. Sie hatte das Gefühl, sie passt nicht in diese Welt, in der so viel mit Sex verbunden wird.

Irgendwann wurde ihr klar, dass sie, nur weil sie keinen Sex haben wollte, nicht auch auf Liebe und eine Beziehung verzichten muss. "Das war ein toller Moment für mich", erzählt sie im YOU FM Interview mit dieser Freddie.

Auch nicht asexuelle Partner

Kati kommt gerade aus einer achtjährigen Beziehung mit einem nicht-asexuellen Mann und datet neu. "Ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass es ganz gut klappt mit nicht asexuellen Männern und mir", sagt sie. Man müsse nur vorher darüber sprechen und herausfinden, was möglich ist, dann könne es gut funktionieren.

 "Vielleicht kann man etwas finden, was der eine sehr schön und der andere nicht furchtbar findet und das einfach ausbauen", erklärt Kati.

Als "krank" abgestempelt

Sie hofft, dass die Gesellschaft irgendwann so weit ist, dass Asexualität als eine Art der sexuellen Ausrichtung anerkannt wird, der man angehören kann. Als sie ihrer Frauenärztin sagte, dass sie asexuell ist, sagte sie: "Aha, sie haben also eine sexuelle Luststörung." Die sogenannte Appetenzstörung ist als Krankheit definiert und steht jetzt sogar in ihrer Patientenakte. "Das finde ich haarsträubend", sagt Kati. Leute, die nicht unter ihrer Asexualität leiden und gar kein Problem damit haben, sollten nicht als krank bezeichnet werden.

Sie wünscht sich eine Gesellschaft, in der nicht das Selbstverständnis vorherrscht, man könne ohne Sex keine glückliches Leben oder keine glückliche Beziehungen führen.

Sendung: YOU FM Der schöne Nachmittag, 07.05.2019, 14:00 Uhr

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