Zwei Frauen Hand in Hand mit einem kleinen Mädchen
Beim Co-Parenting können sich sowohl homo- oder heterosexuelle Paare als auch Singles zu einer Familie zusammenfinden. Bild © Pexels

Ein Baby mit einem Freund, nicht mit eurem Partner, sondern ganz ohne klassische Liebesbeziehung: Das ist Co-Parenting. Wie das funktioniert und ob das gut gehen kann – darüber haben wir mit Christine Wagner gesprochen. Sie hat eine fünfjährige Tochter mit einem Freund und eine Plattform gegründet, auf der sich Leute zu Eltern zusammenschließen können.

Christine Wagner und Miriam Förster haben sich ein Kind gewünscht. Bei der Suche nach einem Vater, der mehr ist als ein Samenspender, kamen sie auf die Idee, die Plattform Familyship zu gründen. Dort können sich homo- oder heterosexuelle Singles sowie Paare finden, die einen Kinderwunsch haben. Bei Christine war das vor sieben Jahren. Gianni meldete sich als einer der ersten.

Christine Wagner und Ganni Bettucci haben sich fürs Co-Parenting entschieden.
Gianni und Christine haben sich für eine Elternschaft ohne Partnerschaft entschieden. Bild © picture-alliance/dpa

Obwohl sich Christine und ihre damalige Freundin Miriam trennten, wollten Christine und Gianni Eltern werden und entschieden sich 2012, es zu versuchen. "Erst dachte ich, ich bin single, jetzt muss ich meinen Kinderwunsch aufgeben. Aber dann habe ich gemerkt, es gibt einen Vater und eine Mutter, ich brauche gar keine Partnerschaft dazu", erzählt Christine im YOU FM Interview.

Zwischen rationalen Gründen und Bauchgefühl

Christine Wagner vor dem Laptop
Christine und ihre Ex-Partnerin Miriam haben sich auf der Suche nach einem Vater dazu entschieden, die Plattform Familyship zu gründen. Bild © picture-alliance/dpa

Um sich gegenseitig kennenzulernen, haben sich Christine und Gianni ein Jahr Zeit gelassen. Trotzdem findet Christine, dass - ähnlich wie bei der normalen Partnerjagd - das Bauchgefühl entscheidet, mit wem man sich darauf einlässt, eine Familie zu gründen. Obwohl es auch viele rationale Gründe abzuklopfen gilt, wie etwa die jeweiligen Erziehungsvorstellungen oder die Aufteilung des Sorgerechts.

Weitere Informationen

Familyship ist heute die größte aktive Community zur Familiengründung im deutschsprachigen Raum. 2018 zählte Plattform über 4.000 Nutzer. Nicht nur Homosexuelle sind dort auf der Suche nach Co-Parents: Fast 50 Prozent der Nutzer sind Heterosexuell (35 Prozent homosexuell, 8 Prozent bisexuell, 8 Prozent nicht angegeben). 64 Prozent der Nutzer wollen eine Mutter-Rolle übernehmen, 25 Prozent eine Vater-Rolle, 6 Prozent wollen nicht-anonyme Samenspender sein, die sich mehr oder weniger am Leben des Kindes beteiligen.

Ende der weiteren Informationen

Gezeugt wurde die gemeinsame Tochter ohne Geschlechtsverkehr mit der sogenannten Bechermethode. Dabei führt sich die Frau das in einem Becher aufgefangene Sperma des Mannes selbst ein. Heute ist ihre Tochter Milla fünf Jahre alt. Sie sagt zu Christine und Gianni Mama und Papa. Beide teilen sich das Sorgerecht fifty-fifty. Während Christine und Gianni zu Beginn ihrer Elternschaft noch nicht zusammen gewohnt haben, leben sie mittlerweile in einer Art Wohngemeinschaft.

Einmal im Jahr machen sie gemeinsamen Familienurlaub. Trotzdem gibt es Unterschiede zum klassischen Familienleben. "Wir sagen, Mama und Papa haben sich lieb, aber sie lieben sich nicht", sagt Christine. Zwar wachse Milla offener und freier auf als viele andere Kinder, doch sie verbringt insgesamt mehr Zeit einzeln mit Mama oder Papa, dafür aber etwas weniger Zeit zusammen als Familie.

Christine Wagner
"Es ist ein Modell unter vielen, es hat Vor-und Nachteile", sagt Christine Wagner. Bild © Familyship

Für Christine funktioniert die Rolle als Co-Mama: "Es ist ein Modell unter vielen, es hat Vor-und Nachteile, aber das hat eine normale Familie ja auch". Niemand sollte auf seinen Kinderwunsch verzichten, nur weil grade die Partnerschaft nicht da ist, findet sie.

Besserer Umgang ohne Liebe?

Während einige religiöse Konservative das Modell des Co-Parenting als eine Gefahr für die klassische Familie sehen, halten einige Jugendforscher und Psychologen die Idee für vielversprechend. Familientherapeutin Petra Thorn ist der Meinung, dass aktuell noch nicht genug Forschung vorliegt, um den Erfolg dieses Familienkonstrukts über einen längeren Zeitraum beurteilen zu können. "Ich würde sagen, je mehr im Vorfeld abgestimmt ist und je ähnlicher diese Werte sind, desto größer ist vermutlich die Wahrscheinlichkeit, dass es gut gehen wird."

Füße einer Familie unter einer Bettdecke
Ist das Elternsein womöglich einfacher, ohne klassische Liebesbeziehung? Bild © Simon Matzinger from Pexels

Auch ob es das Elternsein einfacher macht, wenn zwischen Mutter und Vater keine Liebesbeziehung besteht, will Petra Thorn nicht pauschal beurteilen: "Das kann es einfacher machen,  denn man kann rationaler miteinander umgehen", erklärt die Familientherapeutin. Auf der anderen Seite könne Liebe in Beziehungen aber eben auch dabei helfen, mal eine problematische Situation zu überwinden, gibt sie zu bedenken.

Zu den Basics für funktionierendes Co-Parenting zählt für Petra Thorn Ehrlichkeit: Mit dem anderen, aber auch mit sich selbst. Man sollte sich fragen, was man sich von einer solchen Elternschaft erhofft und welche Grenzen man zieht, erklärt die Familientherapeutin.

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 19.02.2019, 14:00 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt

Webstreams

voting voting

Du bestimmst die YOU FM Playlist und hörst, was du wirklich hören willst.

Dein Song-Feedback
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit