Sophie Jones

Viele kennen die Zeugen Jehovas vor allem durch die Menschen, die in der Fußgängerzone den "Wachturm" verteilen. Sophie ist in der Glaubensgemeinschaft aufgewachsen und hat ihr nach 18 Jahren den Rücken gekehrt. Im YOU FM Interview hat sie erzählt, warum.

Kein Kontakt zu Andersgläubigen, nicht Rauchen, keine Discobesuche, keine Bluttransfusionen, kein Sex vor der Ehe und weder Geburtstag noch Weihnachten feiern – Sophies Leben war lange Zeit vor allem von Verboten bestimmt: Die heute 24-Jährige war 18 Jahre lang Teil der Glaubensgemeinschaft: "Ich bin mit den Zeugen Jehovas aufgewachsen und habe darunter in meiner Kindheit sehr gelitten. Ich wurde gemobbt, weil ich komplett anders war."

Kontaktverbot zum Vater gab den Anstoß

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das ganze Gespräch zwischen Zeugen Jehovas-Aussteigerin Sophie und Susanka zum Nachhören

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Dann entschied sie sich, auszusteigen. "Bei mir hat es Klick gemacht, als ich den Kontakt zu meinem Vater abbrechen musste", erzählt Sophie im Interview mit Susanka aus der besten Morningshow der Welt. Nachdem sich ihre Elten scheiden ließen, wurde er bei den Zeugen Jehovas ausgeschlossen.

Unter dem Kontaktverbot zu ihrem Vater litt Sophie so sehr, dass sie begann, die Regeln, die ihr von den Zeugen Jevoas auferlegt wurden, zu hinterfragen. "Ich kenne so viele Familien, die absolut zerstört sind, weil die einen Zeugen sind und die anderen keine Zeugen mehr sind", sagt Sophie.

Ein weiterer Punkt, den Sophie neben den vielen Verboten weiter von den Zeugen Jehovas entfernte, war die Tatsache, dass Frauen, die vergewaltigt werden, nicht abtreiben dürfen. "Da meldet sich dann mein Selbstschutz und mein natürlicher Instinkt, dass ich kein Leben mehr führen will, in dem mir so etwas vorgeschrieben wird", sagt sie.

Eine Gemeinschaft, die isoliert

Auszusteigen ging allerdings nicht von heute auf morgen. "Es ist schon eine Art Gehirnwäsche. Du brauchst eine Weile, bis dir Stück für Stück alles klar wird", erzählt Sophie. Sie schrieb eine Liste mit Menschen, die sie durch ihren Ausstieg verlieren würde und eine Liste mit Menschen, die sie zurückbekommen würde. "Niemand würde noch bei den Zeugen Jehovas sein, wenn die nicht untereinander diese krasse Gemeinschaft hätten", glaubt die 24-Jährige. Man werde absolut isoliert und wenn jemand drohe, schwach zu werden, seien die anderen sofort zur Stelle.

Sophie fing an, sich Freunde außerhalb der Glaubensgemeinschaft zu suchen, trug kurze Röcke, besuchte die Disco und erkannte, dass es ihr damit gut ging. Irgendwann ging sie auch nicht mehr zu den wöchentlichen Treffen der Zeugen Jehovas. "Ich habe mir dann eine neue Handynummer zugelegt und bin irgendwann umgezogen", erklärt Sophie. Der ohnehin schon spärliche Kontakt zu ihrer Mutter brach danach endgültig ab. Dafür hat sie heute wieder ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater.

Schwerer Neuanfang

Dennoch war der Neuanfang schwer. "Tatsächlich sind mir sehr, sehr viele Sachen schwer gefallen. Am Anfang hatte ich einen wahnsinnigen Verfolgungswahn", beschreibt sie die Zeit nach dem Ausstieg. "Ich hatte immer die Angst, dass mich jemand sieht, auch wenn es nur Gott ist. Dieses Gefühl hat lange angehalten."

Weitere Informationen

Die Zeugen Jehovas haben ihre eigene Bibel, die sogenannte "Neue-Welt-Übersetzung". Zusätzlich haben sie noch weitere Publikationen: "Der Wachttum" und "Erwachet" zählen zu den Bekanntesten.

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Dass die Zeugen Jehovas in Deutschland den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts haben und damit den großen Kirchen gleichgestellt sind, hält Sophie für einen Fehler. "Der Begriff 'Sekte' ist nicht klar definiert, aber es gibt meiner Meinung nach sehr viele Merkmale einer Sekte, die auf die Zeugen Jehovas zutreffen", erklärt Sophie im Interview.

Sophie will anderen Mut machen

Die Kontaktverbote zu Nicht-Zeugen hält die Aussteigerin für eine Gefahr für die Gesellschaft und das Verbot von Bluttransfusionen könne im Notfall lebensgefährlich sein. "Das darf man in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht zulassen", findet Sophie.

Deshalb teilt Sophie ihre Geschichte mit der Welt. Auf ihrem YouTube-Kanal erzählt sie von ihrem Ausstieg und ihrem Alltag, ohne die Glaubensgemeinschaft. Ihr Ziel ist es, Zeugen Jehovas, die keine mehr sein wollen oder skeptisch sind, eine Stütze zu sein.

Sendung: YOU FM, Die beste Morningshow der Welt, 10.09.2019, 07:00 Uhr

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