Joe Impfstofftest

Die Entwicklung eines Impfstoffs könnte einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten. YOU FM Redakteur Joe hat sich als Proband in einer Impfstoffstudie beworben und tatsächlich das Mittel bekommen. Wie er das geschafft hat und welche Risiken er auf sich nimmt, erfahrt ihr hier.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So lief Joes Teilnahme bei der Corona-Impfstoffstudie ab

Joe Impfstofftest
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YOU FM Kollege Joe möchte in der Corona-Krise einen Beitrag leisten. Deshalb hat er sich für eine Studie beworben, die Erkenntnisse über Dosis und Verträglichkeit eines Corona-Impfstoffs liefern soll.

Dieser mRNA Impfstoff, den der Hersteller Biontech gerade erforscht, ist eine Weltneuheit: Es gibt bisher keinen zugelassenen Impfstoff, der auf dieser Methode beruht.

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Der Wettlauf um den Impfstoff

An etwa 200 Corona-Impfstoffen wird derzeit weltweit geforscht. Etwa 40 werden in klinischen Studien getestet. Der heißeste Impfstoffkandidat aus Deutschland heißt "BNT 162". Er wird von der Firma Biontech aus Mainz entwickelt. Eine Variante dieses Impfstoffs befindet sich bereits in der letzten Testphase und könnte noch dieses Jahr zugelassen werden.

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Am Montagmorgen wurde Joe der Wirkstoff gespritzt. Bisher fühlt er sich fit und hat mit keinerlei Nebenwirkungen zu kämpfen.

Welche Voraussetzungen man als Proband mitbringen muss und warum er sich dazu entschieden hat, einen Wirkstoff zu testen, den bisher nur wenige Menschen vor ihm bekommen haben, klären wir hier für euch:

1. Welche Risiken gibt es?
2. Warum nimmt Joe diese Risiken in Kauf?
3. Wie wird man überhaupt Proband in einer Impfstoffstudie?
4. Welche (körperlichen) Voraussetzungen muss man mitbringen?
5. Wie viel Zeit kostet so eine Studienteilnahme?
6. Wie läuft die Impfung ab?
7. Gibt es Einschränkungen nach der Impfung?

1. Welche Risiken gibt es?

Da es bisher noch keine zugelassenen mRNA Impfstoffe gibt, ist die Studie, an der Joe teilnimmt, nur bedingt vergleichbar mit anderen Impfstoffstudien. Alles, was es gibt, sind einige Menschen, die den gleichen Wirkstoff vor ihm bekommen haben und ein paar tausend Leute, die mit einem verwandten Stoff geimpft wurden.

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mRNA-Impfstoffe

Bei diesem Ansatz wird nur ein Teil des Virus-Erbgutes geimpft. Die Körperzellen bauen daraus einen Teil vom Virus, auf den das Immunsystem reagiert und Antikörper bildet.

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"Ich wurde sehr ausführlich aufgeklärt und habe einen dreißigseitigen Vertrag unterschrieben, in dem steht, dass ich sterben kann", erzählt Joe. Angst hat er deshalb aber nicht: "Über die schlimmsten Möglichkeiten mache ich mir wenig Gedanken. Man fährt ja auch mal auf der Autobahn 200 Sachen und denkt nicht drüber nach."

Es gibt Listen mit erwarteten Nebenwirkungen und Erfahrungen mit ähnlichen Impfstoffen. Ganz genau kann aber natürlich keiner sagen, was passieren wird. Joe geht davon aus, dass ihn noch Grippesymptome, Kopfweh und Schmerzen im Arm erwarten könnten. Bisher blieb er aber davon verschont.

2. Warum nimmt Joe diese Risiken in Kauf?

Mal eben ein Mittel gespritzt zu bekommen, das vorher an nur wenigen anderen Menschen getestet wurde, ist nicht ohne. Aber Joe ist nicht nur begeistert von Wissenschaft, er ist auch überzeugt davon, dass ein Impfstoff den entscheidenen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten kann: "Ich kenne nur eine Lösung für die Weltkrise: einen Impfstoff." Doch das ist nicht alles, was ihn antreibt: "Ich weiß, dass ich privilegiert bin und bisher unverschämt viel Glück hatte in der Krise. Da will ich irgendwas tun."

Zitat
„Ich weiß, dass ich privilegiert bin und bisher unverschämt viel Glück hatte in der Krise.“
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Natürlich sind nicht alle Probanden Überzeugungstäter, für einige steht die Vergütung im Vordergrund. So melden sich häufig Studenten oder Menschen, die gerade knapp bei Kasse sind, für solche Tests.

Für die Teilnahme an dieser klinischen Studie gibt es knapp 2.000 Euro und eine Erstattung der Fahrtkosten. Ausgezahlt wird dieser Betrag aber erst in einem Jahr, wenn alle Nachuntersuchungen abgeschlossen sind.

3. Wie wird man Proband in einer Impfstoffstudie?

Manche Forschungsinstitute werben per Anzeige für die Teilnahme an klinischen Studien. Joe hat es aus Eigenintiative zum Probanden geschafft: Er hat gegoogelt, den Impfstoffentwickler ausfindig gemacht und per Mail angefragt, wer die Studie durchführt.

4. Welche (körperlichen) Voraussetzungen muss man mitbringen?

Je nach Studie muss man als Proband ein bestimmtes Alter haben und gesund sein. Der Prüfarzt, der Joe durchgecheckt hat, hat das bei der Untersuchung noch einmal bekräftigt: "Sie müssen nicht gesund sein, sondern kerngesund."

Deshalb wurde er in der vierstündigen Voruntersuchung gründlich unter die Lupe genommen und auf Drogen, Alkohol, HIV, Hepatitis, bisherige Infektionen sowie Corona getestet. Bei Frauen wird außerdem ein Schwangerschaftstest gemacht.

In einem großen Blutbild wurden Leber, Niere und mögliche Entzündungen im Körper untersucht. Außerdem musste Joe ein EKG machen; seine Temperatur und sein Body Mass Index wurden gemessen. Die Ärzte haben ausführlich mit ihm über seinen Lebenswandel, bisherige Krankheiten, OPs, Verhütung, sonstige Medikamente und die Krankheiten seiner Eltern und Großeltern gesprochen.

5. Wie viel Zeit kostet so eine Studienteilnahme?

Neben der vierstündigen Voruntersuchung gab es einiges an Papierkram, Mails und eine einstündige Infoveranstaltung. Hinzu kommt einiges an Fahrerei: Bisher musste Joe vier Mal von Frankfurt nach Mannheim fahren, wo die klinische Studie durchgeführt wird. Für weitere Nachuntersuchungen und die zweite Impfung wird er die Strecke noch einige Male fahren müssen.

Die ersten sieben Tage nach der Impfung muss er Tagebuch über sein Befinden führen und regelmäßig Fieber messen. Danach folgen weitere Tests vor Ort und Check-ups per Telefon. Nach den ersten 60 Tagen ist das Meiste geschafft.

6. Wie läuft die Impfung ab?

Nach der Impfung in den linken Oberarm werden die Probanden 24 Stunden lang überwacht und regelmäßig vom Arzt durchgecheckt. Eigentlich hätte Joe eine Nacht in der Klinik verbringen müssen, weil ihm aber nur eine geringe Dosis gespritzt wurde, durfte er schon am Abend wieder nach Hause.

7. Gibt es Einschränkungen nach der Impfung?

Für Joe war die wohl größte Einschränkung zwei Tage Kaffee-Entzug vor seiner Voruntersuchung, um das Blutbild nicht zu verfälschen.

Nach der Impfung gilt für ihn und die anderen Studienteilnehmer: In den ersten 60 Tagen nach der Impfung soll man kein Kind zeugen. Als Frau gilt diese Einschränkung sogar deutlich länger. Sie sollten das ganze Jahr nicht schwanger werden. Außerdem sind andere Impfungen verboten und auch einige Medikamente dürfen nur nach Absprache genommen werden.

Hinzu kommt, dass Joe nicht in Corona-Risikogebiete reisen darf. Denn auch wenn der Impfstoff eine Immunität bewirken soll, ist seine Impfung kein Freifahrtschein. Die betreuenden Ärzte haben klargestellt, er könne niemals fest davon ausgehen.

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SO FUNKTIONIERT DIE ZULASSUNG EINES IMPFSTOFFS

Bevor der Impfstoff eingesetzt werden darf, muss er von einer der zuständigen Behörden – wie dem deutschen Paul-Ehrlich-Institut oder der Europäischen Arzneimittelagentur – zugelassen werden.
Die Zulassung verläuft in drei Phasen:
1. Die Sicherheit des Mittels wird an einer kleinen Gruppe Freiwilliger (ca. 30 Probanden) geprüft.
2. Bei mehreren Hundert Probanden (etwa 50-500) wird die richtige Dosierung und die Wirkungen auf das Immunsystem überprüft.
3. Im Test an tausenden Menschen zeigt sich, wie gut ein Impfstoff tatsächlich schützt.

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Sendung: YOU FM Good Morning Show, 07.10.20, 07:00 Uhr

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