Barrierefrei Reisen Adina & Timo

Timo und Adina sind dauernd auf Reisen. Dass Adina im Rollstuhl sitzt, ist dabei meistens kein Problem – die beiden müssen nur entsprechend planen. Worauf es dabei ankommt und warum sie wohl niemals mit einem Flixbus fahren können, verrät Timo im YOU FM Interview.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found YOU FM Redakteurin Corina erklärt dieser Freddie, welche Hürden es beim Reisen mit dem Rollstuhl gibt

YOU FM Moderatorin Freddie
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Wenn Timo und seine Frau Adina einen Urlaub planen, können sie nicht mal eben einen Flug buchen. Weil Adina im Rollstuhl sitzt, brauchen ihre Reisen sehr viel mehr Vorbereitung.

"Wir können nicht frei Schnauze irgendwo hinfliegen, wo wir gerne hinwollen, sondern wir müssen erstmal ein paar Informationen mehr beschaffen und natürlich gibt es auch Reiseziele, die ausscheiden, weil sie einfach überhaupt nicht praktikabel sind unterm Strich", erklärt Timo im YOU FM Interview mit dieser Freddie.

Ein Vorteil: Adina und Timo sind zu zweit unterwegs

Wichtig ist ihnen dabei nicht nur, dass das Hotel rollstuhlfreundlich ist. "Wir müssen die Sicherheit haben, dass wir dort nicht in einem barrierefreien Hotel auf einer Bergspitze sitzen und dort nicht wegkommen, sondern dass wir auch in der Umgebung ein paar Möglichkeiten haben, also Restaurants, Shoppingmöglichkeiten, irgendwelche Ausflugsziele."

Weil sie mit Hilfe noch ein paar Schritte alleine gehen kann, ist das Paar einigermaßen flexibel. "Andere können das wiederum nicht, da wird das sehr viel komplizierter", erklärt der gelernte Rettungsassistent. Blinde, Gehörlose oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen haben nochmal ganz andere Anforderungen, zum Beispiel ein absolut barrierefreies Bad.

Ärger bei der Bahnfahrt

Trotzdem läuft nicht immer alles problemlos. Ein Erlebnis der beiden hat sich auf der Flop-Liste besonders eingeprägt: eine Bahnreise nach Prag, die Adina ihrem Mann zum Geburtstag geschenkt hat.

Der gebuchte Zug hatte damals kein Rollstuhlabteil, weshalb die Bahn den beiden auch keine Einstiegshilfe zur Verfügung stellte. Nur mit der Hilfe von anderen Reisenden kamen sie in ihr Abteil.

Eine missglückte Reise legt den Grundstein für den Blog

Auf seinem privaten Blog berichtete Timo anschließend über diesen Vorfall – und löste ein großes Medienecho aus. Sogar die Deutsche Bahn kontaktierte ihn, um sich in zwei Telefonkonferenzen mit dem Vorstand über die Bedürfnisse von Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu informieren.

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Die Nachfrage nach barrierefreien Reisen steigt

Der Grund dafür ist einfach: Die Hilfsmittelversorgung von Mobilitätseingeschränkten hat sich seit den 80er Jahren stark verbessert und auch die Lebenserwartung ist gestiegen. Das bedeutet: Die Mobilität an sich steigt.

Ende der weiteren Informationen

"Es gibt ein mangelndes Problembewusstsein dafür", weiß Timo heute. Im Alltag nehme man viele Hürden gar nicht wahr, wenn man selbst nicht betroffen sei. Er gibt zu: "Wenn ich jetzt auf meinen Tag zurückblicke, kann ich nicht eindeutig beantworten, ob ein Laden, in dem ich war, eine Stufe davor hatte. Selbst ich als pflegender Angehöriger und Mann einer Rollstuhlfahrerin kann das nicht." So gehe es auch vielen Firmen in der Tourismusbranche.

Adina und Timo wollen Hürden aufzeigen und Mut machen

Um auf diese Hürden aufmerksam zu machen, gründen Timo und Adina schließlich ihren Blog "Mobilista", auf dem sie über barrierefreies Reisen berichten. "Wir wollten einfach unsere gesammelten Erfahrungen mal niederschreiben und sie anderen zeigen. Wir wollten eine positive Berichterstattung bringen, Lust machen auf Reisen und motivieren."

Dabei geht es den beiden einerseits darum, anderen Informationen zur Verfügung zu stellen, was an Urlaubsorten barrierefrei unternommen werden kann. Andererseits wollen sie den Reiseveranstaltern mögliche Defizite aufzuzeigen. "Denn Mobilität ist ein Menschenrecht", findet Timo.

Es gibt noch viel zu verbessern

Auch wenn für eingeschränkte Menschen wie Adina in der Mobilitätsbranche noch nicht genügend getan wird – insgesamt sieht das Paar eine positive Entwicklung: "Wir reisen ja auch wahnsinnig viel und wissen, dass es geht."

Nur eines ärgert Timo: dass sich Fernbus-Betreiber wie Flixbus "seit Jahren aus ihrer Verantwortung stehlen, auch Menschen mit Behinderungen mitzunehmen."

Die nächsten Ziele stehen schon fest

Zwar gebe es ab nächstem Jahr eine gesetzliche Verpflichtung für alle Fernbusse, rollstuhlgerecht ausgestattet zu sein. "Die Realität sieht aber ganz anders aus", so der Blogger. "Ich bin noch nie Fernbus gefahren, weil es in der Regel nicht geht."

Die nächsten Ziele steuern Adina und Timo deswegen mit anderen Verkehrsmitteln an. Wo es hingeht, ist aber schon klar: nach Sizilien und an die französische Atlantikküste.

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 14.08.2019, 14 Uhr

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