Gewalt gegen Frauen

Was ist, wenn das eigene Zuhause nicht sicher ist? Jede vierte Frau wurde bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Partner oder einem Ex misshandelt. Durch die Corona-Krise erwartet das Familienministerium einen Anstieg von häuslicher Gewalt. Stephie arbeitet im Frauenhaus in Gießen und hat uns erzählt, wie die Situation dort im Moment ist.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stephanie Riehm erklärt dieser Freddie, warum die gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt bisher noch nicht gestiegen sind

YOU FM Moderatorin Freddie
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Jeden Tag versucht ein Mann, seine Partnerin oder Expartnerin zu töten. Jeden dritten Tag gelingt dies. Diese erschreckenden Zahlen hat das Bundesamt für Familien, Senioren, Frauen und Jugend erhoben.

Und in der Corona-Krise könnte die häusliche Gewalt noch stärker ansteigen. Das zumindest befürchtet Familienministerin Franziska Giffey. In Mexiko ist das schon längst Realität: Dort erhalten die Anti-Gewalt-Hotlines seit dem Lockdown bis zu 100 Prozent mehr Anrufe.

Keine Überlastung der hessischen Frauenhäuser – noch nicht

Sowohl das hessische Justizministerium als auch das hessische Innenministerium konnten nicht bestätigen, dass die Zahlen häuslicher Gewalt bei uns aktuell ansteigen. Sie stehen in Kontakt mit der Polizei. Und die sagen: Die allgemeine Kriminalität nimmt momentan eher ab.

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Häusliche Gewalt bedeutet nicht nur körperliche oder sexuelle Übergriffe

Man spricht auch dann davon, wenn er sie beleidigt und vor anderen schlecht macht, jähzornig ist, ihr Eigentum beschädigt, sie kontrolliert, den Kontakt zu Freunden unterbindet oder sie daran hindert, das Haus zu verlassen. Diese Form der Gewalt ist körperlich und seelisch besonders belastend, weil sie zuhause stattfindet und von einer Vertrauensperson ausgeht. Dabei sollte dieser Ort doch eigentlich Schutz und Geborgenheit vermitteln.

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Stephie ist Diplom-Pädagogin und arbeitet im Frauenhaus in Gießen. Im YOU Interview mit dieser Freddie erzählt auch sie, dass die Lage vor Ort im Moment eher ruhig ist. Eine gute Nachricht ist das aber nicht. Die etwas über 700 Betten, die es in hessischen Frauenhäusern gibt, seien auch in "normalen" Zeiten zu wenig. Und: "Unsere Einschätzung ist, dass die Frauen wegen Corona Angst haben, in die Beratungsstelle zu gehen. Vielleicht haben sie auch die Vermutung, dass wir nicht für sie da sind", vermutet Stephie.

Häusliche Gewalt entsteht nicht erst durch den Lockdown

Außerdem könnten Männer durch das ständige Zuhausesein noch besser kontrollieren, was die Frau macht. "Wenn der Mann zuhause ist, habe ich ja auch gar nicht die Möglichkeiten, jemanden anzurufen", weiß Stephie. Sie befürchtet, dass die Gewalt tatsächlich ansteigt – man das aber erst dann sieht, wenn die Maßnahmen der Bundesregierung gelockert werden.

Dabei betont sie: Häusliche Gewalt entsteht nicht durch eine Ausgangssperre. "Ja, alle sind jetzt mehr zuhause, es kommt zu Konflikten und man geht sich sicher auf die Nerven. Eine konfliktfähige Familie schafft es, diese Konflikte verbal zu lösen oder sich auch mal Auszeiten zu schaffen und aus dem Weg zu gehen", so Stephie. Zu häuslicher Gewalt komme es dann, wenn es bereits vor der Krise ein Machtgefälle in der Beziehung gab, einen "Stärkeren" und einen "Schwächeren".

Wie leicht man in eine gewalttätige Beziehung geraten kann und wie man aus dieser Spirale wieder rauskommt, hat PULS-Reporterin Ariane die Betroffene Viktoria gefragt.

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Wir alle können helfen

Wer nicht gelernt habe, Konflikte auszutragen und zu lösen, versuche gerade jetzt, sie mit Gewalt zu unterdrücken. Einen Vorteil gibt es aber an der aktuellen Situation: Wenn viele Menschen von zuhause aus arbeiten, hören sie auch eher, was in der Nachbarwohnung abgeht.

Die Pädagogin rät, sofort die Polizei zu rufen, wenn man sehr lautes Schreien oder Poltern hören sollte. Außerdem sei es wichtig, Hilfe anzubieten. "Man kann auch versuchen, den Kontakt über ein nachbarschaftliches Angebot zu suchen, zum Beispiel indem man einkaufen geht, oder in einem unbeobachteten Moment die Nummer vom Hilfetelefon weitergeben."

Eines ist Stephie noch wichtig zu erwähnen: "Wir nehmen trotz Corona weiterhin auf. Und wenn das doch nicht möglich sein sollte, dann würden wir in der Beratung eine andere Lösung finden und den Schutz sicherstellen."

Hier finden Betroffene Hilfe

  • Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung werden Betroffene rund um die Uhr kostenlos unterstützt.
  • Auf ihrer Website geben die Frauenhäuser Hessen Auskunft darüber, wo Plätze verfügbar sind. Eine bundesweite Anlaufstelle ist das Frauen-Info-Netz.
  • Beratungsstellen und Hilfsangebote in eurer Nähe findet ihr auch auf Frauen-gegen-Gewalt.de.
  • Die Goethe-Uni Frankfurt bietet ein Krisentelefon an: Unter der 069-798 46666 könnt ihr mit Psycholog*innen über eure Ängste und Möglichkeiten zur Überwindung von Belastungen reden. Montag bis Freitag jeweils 15-21 Uhr; Samstag und Sonntag jeweils 16-20 Uhr.
  • Auch die Uni Kassel bietet ein Corona-Krisentelefon an unter der Telefonnummer 0561 804 2882 von Montag-Freitag von 10-18 Uhr.
  • Der deutsche Berufsverband der Psychologinnen und Psychologen hat eine Hotline zur psychologischen Beratung in Corona-Krisenzeiten eingerichtet. Die Hotline 0800 777 22 44 ist täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr geschaltet.
  • Auf der Seite Gewaltlos.de könnt ihr euch via Chat online beraten lassen. Dahinter steht der eingetragene Verein Gewaltlos.de, der ursprünglich als Projekt des Sozialdienstes katholischer Frauen begann.

Sendung: YOU FM, Der schöne Nachmittag, 30.04.2020, 14:00 Uhr

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