AfD-Logo auf einer zerissenen Karte
Der Journalist Sören Kittel trifft seinen Namensvetter und bemerkt schnell: gegensätzlicher könnten die beiden nicht sein. Bild © picture alliance/dpa-Zentralbild

Der Journalist und AfD-Gegner Sören findet seinen Namensvetter im Netz. Dieser wählt die AfD. Die beiden kommen miteinander ins Gespräch über ihre politischen Ansichten. Wird der eine Sören verstehen, wie der andere die Welt sieht?

Das habt ihr sicher auch schon mal gemacht: euren Namen im Netz gegooglet und nachgeschaut, ob es noch jemanden gibt, der so heißt, wie ihr. Sören hat das auch gemacht. Er ist Journalist und lebt in Berlin.

Sören hat zwei Menschen gefunden, die so heißen wie er. Einer wohnt in Oldenburg und spielt ganz gut Tennis, der andere kommt wie Sören aus der Nähe von Dresden. Er ist Maurer, hat drei Töchter und postet jeden Morgen die "Guten Morgen"-Meldung des aktuellen AfD-Vorstandes. Sören, überzeugter AfD-Gegner, entscheidet sich dazu, Kontakt zu seinem Namensvetter aufzunehmen.

Auseinandersetzung mit dem Weltbild des anderen

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Journalist Sören

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sören erzählt von seiner Begegnung mit seinem Namensvetter

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"Er hat sehr freundlich reagiert", erzählt Sören im YOU FM Interview. Es gebe viele AfD-Anhänger, die gerne diskutieren und ernst genommen werden wollen. "Er ist einer von denen", sagt Sören über seinen Namensvetter. Und so war der Name nur der Ausgangspunkt für eine andauernde Auseinandersetzung der beiden mit dem Weltbild des jeweils anderen:

"Wir schrieben uns, weil wir uns aneinander abarbeiteten, weil wir wollten, dass der eine endlich versteht, wie der andere Sören Kittel die Welt sieht", so fasst es der Journalist in seinem Artikel der Berliner Morgenpost zusammen, den er über die Gespräche mit Sören in der Berliner Morgenpost veröffentlicht.

Sören wurde mit Ansichten konfrontiert, die er sonst aus seinem Umfeld nicht zu hören bekommt wie zum Beispiel, dass Deutschland von Ausländern "überschwemmt" werde oder dass man den Berichten links-grüner Journalisten nicht trauen könne. "Ich habe immer versucht, ihm Gegenbeispiele zu bringen, die hat er auch gelten lassen", sagt der Journalist. Der andere Sören konnte ihm umgekehrt aber auch Beispiele zeigen, bei denen nicht immer ganz fair mit der AfD umgegangen wurde.

"Nie den Pfad der Diskussion verlassen"

Besonders fand Sören dabei immer, dass dabei "nie der Pfad der Diskussion verlassen" wurde. Einmal trafen sich die beiden sogar in einer Bar in Leipzig. "Da habe ich gemerkt, dass die Welten doch weiter auseinander liegen", erzählt Sören im Interview. "Da kam Antisemitismus auf und so ein paar Nazi-Sachen, wo ich dachte, da bin ich raus, sorry."

Zitat
Dann kam irgendwann eine peinliche Pause - der Moment, in dem uns klar wurde, dass es so etwas vielleicht nicht gibt wie: den anderen überzeugen. Dass es immer so weitergehen wird. Sören gegen Sören. Dass es eben keine Brücke gibt. Zitat von Sören Kittel, Journalist
Zitat Ende

Obwohl nach dem Treffen klar war, dass die Ansichten der beiden weit auseinander liegen – wahrscheinlich zu weit, um sie zusammenzuführen – haben sie den Kontakt zueinander nicht abgebrochen. Unregelmäßig schicken sie sich noch gegenseitig Artikel oder Beiträge. Was Sören aus der Begegnung mitnimmt: "Im Gespräch bleiben", sagt Sören. "Es ist schon eine andere Welt, in der er lebt, aber warum nicht versuchen, die Brücke vielleicht nicht ganz abzubrechen?"

Sendung: YOU FM Worktime, 19.06.2019, 12:00 Uhr

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