Alkohol Bierflasche
Peter ist trockener Alkoholiker. Er darf keinesfalls zu einer Bierflasche greifen. Bild © picture-alliance/dpa

Peter hatte ein geregeltes Leben. Eigentlich. Doch entgegen aller Klischees wusste er irgendwann, dass er ein Problem mit dem Trinken hat. Bei den Anonymen Alkoholikern bekommt er Unterstützung und ist seit zwei Jahren trocken. Seine ganze Geschichte und wie er damit lebt, hat er uns im YOU FM Interview erzählt.

Er lebte nicht auf der Straße und er brauchte morgens auch keinen Schnaps. Trotzdem merkt Peter*, dass er nicht aufhören kann zu trinken. An vielen Abenden soll es eigentlich nur ein Bier sein – und doch wacht er am nächsten Tag mit einem Kater auf, erzählt er uns im YOU FM Interview.

Mit Anfang dreißig hat der Alkohol für Peter seine ursprünglich reizvolle Wirkung verloren. "Der positive Effekt, dass ich mich lockerer und selbstbewusster gefühlt habe, war weg", erklärt er. "Ich war einfach nur betrunken – mit einem schlechtem Gefühl."

Das erste Mal getrunken hat er mit fünfzehn Jahren. Richtig los ging es aber erst als er mit Anfang zwanzig von Zuhause ausgezogen ist. "Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass da etwas nicht stimmt. Schließlich haben es alle gemacht. Wir waren jung", erzählt er.

Kein Alkohol? Seine Freunde wundern sich

Alkohol Gesellschaft
Unter Leuten fiel es Peter schwer, nichts zu trinken. Bild © Colourbox.de

Peter beschließt, erst Mal keinen Alkohol mehr zu trinken. Doch sein Umfeld übt Druck auf ihn aus. Immer wieder wird er mit der Frage konfrontiert: "Warum trinkst Du nichts?" Freunde, Bekannte, Partykumpanen wundern sich über sein Verhalten. In dieser Zeit kommt er auch mit seiner jetzigen Ex-Freundin zusammen. "Die war ziemlich schockiert, als ich es ihr erzählt habe. Ich glaube, sie hat sich falsche Vorstellungen über Alkoholiker gemacht", führt er weiter aus.

Schlussendlich habe sie es schwierig gefunden, mit jemandem zusammen zu sein, der nicht trinkt. Für sie gehörte es zur Beziehung, sich ab und an gemeinsam zu betrinken.

Rückfall nach vier Monaten "ohne"

Nach vier Monaten ohne Alkohol knickt Peter wieder ein und er trinkt auf einer Geburtstagsparty. Es bleibt nicht wie geplant bei einem Bier. Auch in den kommenden Monaten gibt es noch mehrere Abende, nach denen Peter völlig verkatert aufwacht. Er kann nicht aufhören.

"Alkohol ist nur ein Symptom, nicht die Ursache"

Alkohol Mann trinkt Bier
Immer wieder griff er zur Flasche. Bild © Colourbox.de

Schließlich entschließt er sich, zu den Anonymen Alkoholikern (AA) zu gehen. Wie ist es, wenn Alkohol zum Alltag gehört? Was bedeutet es, Alkoholiker zu sein? Warum trinke ich? Alles Fragen, die er in den Gruppen für sich klärt. "Es geht bei den AA nicht darum, zu sagen: Alkohol ist schlecht. Sondern darum, zu erkennen, was für ein Typ du bist", sagt Peter. "Ob du eine Veranlagung zur Sucht hast. Denn Alkohol ist nur ein Symptom, nicht die Ursache."

Peter entscheidet sich auch dafür, dass Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker zu durchlaufen. "Die Hauptbedingung für eine Teilnahme ist, dass du den Wunsch hast, mit dem Trinken aufzuhören. Du selbst entscheidest auch, ob du dich als Alkoholiker bezeichnest oder nicht."

Während des Programms findet er heraus, warum er trinkt. Dass er das innere Gefühl des Nicht-Dazugehörens mit einem Drink einfach weggewischt hat. "Äußerlich war bei mir alles in Ordnung. Innerlich nicht", erklärt er seine Gefühlslage. "Da war ich ziemlich am Ende.

Nur enge Vertraute wissen von seiner Sucht

Heute wissen nur Peters Familie und seine engen Freunde von der Sucht. Seine Eltern seien überrascht gewesen, enge Freunde hingegen hätten schon eine Ahnung gehabt. Arbeitskollegen gegenüber spare er das Thema bewusst aus. "Einfach, weil es da zu viele Klischees gibt." Auf die Frage, warum er nichts trinke, antwortet er heute, dass er es früher übertrieben und zu viele Hangover gehabt habe.

Trocken bleiben hat oberste Priorität

Alkohol leere Glaeser
Peter will in seinen Gläsern keinen Alkohol mehr haben. Bild © Colourbox.de

Seit zwei Jahren ist der 34-Jährige trocken. Obwohl es gut läuft, muss Peter wachsam sein. Denn ab und zu meldet sich die Lust auf Alkohol noch immer. "Wenig trinken gibt es bei mir nicht. Es gibt nur nichts trinken." Ein Bier verändere ihn, er sei dann ein anderer Mensch. Deshalb trinkt Peter auch kein Alkoholfreies, weil der Geschmack ihm Lust auf mehr mache.

So bleibt ein Restrisiko und damit eine Angst, mit der er umgehen muss. Trocken zu bleiben sei heute die erste Priorität in seinem Leben. "Es gibt einen schönen Spruch bei AA: 'Trocken sein ist nicht alles. Aber wenn man nicht trocken ist, ist alles nichts.'"  

* Name von der Redaktion geändert

Sendung: Die YOU FM Morningshow, 30.06.2017, 05:30 Uhr

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