Leukämiezellen unter dem Mikroskop
Ohne Behandlung endet eine Leukämie immer tödlich. Kommen die Patienten frühzeitig sind die Heilungschancen heute oft gut. Bild © DKMS

Vor 30 Jahren konnte der erste deutsche Patient erfolgreich mit Stammzellen behandelt werden. YOU FM Redakteurin Miriam hat ihrem eigenen genetischen Zwilling ebenfalls das Leben gerettet. Beide erzählen von diesem emotionalem Erlebnis.

Alexander Unglaube ist Medizinstudent und steht kurz vor seinem Examen. Er ist voller Pläne für die Zukunft. Nur seine Gesundheit macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Und zwar einen richtig dicken. Er leidet an Leukämie und die übliche Therapie schlägt einfach nicht an. Fieberhaft sucht er nach anderen Behandlungsmöglichkeiten.

"Ich stand mit dem Rücken zur Wand.", erzählt der heutige Arzt und Familienvater von vier Kindern.

Porträtfoto von Alexander Unglaube - 1. Überlebender einer unverwandten Knochenmarkspende
Das Risiko hat sich gelohnt. Aus dem damaligen Studenten Alexander Unglaube ist ein angesehener HNO-Arzt in Frankfurt geworden. Bild © picture-alliance/dpa

Fündig wird er in der damals größten Knochenmarkspenderdatei in London. Dort stößt er auf gleich drei passende Spender. Zusammen mit Gehrhard Ehninger, dem Leiter der Transplantationseinheit Tübingen, geht er das Wagnis ein und lässt sich das Knochenmark eines völlig Fremden - seines genetischen Zwillings - transplantieren.

Revolution in der Blutkrebs-Bekämpfung

Knochenmarkspende
In den meisten Fällen werden Stammzellen einfach aus dem Blut entnommen. Nur in weniger als 20 Prozent der Fälle ist eine Entnahme direkt aus dem Knochen nötig. Bild © picture-alliance/dpa

Was sich für uns heute nicht mehr besonders spektakulär anhört, war damals noch richtig gefährlich. Bis zu diesem Zeitpunkt hat noch kein Mensch eine Knochenmarkspende eines nicht verwandten Menschen überlebt. Mit Alexander Unglaube feiert also auch die Medizin an diesem Freitag den 30. Jahrestag der ersten erfolgreichen unverwandten Knochenmarktransplantation.

Inzwischen reichen die Überlebenschancen von Leukämie-Erkrankten nach einer Knochenmarkspende bis zu 90 Prozent - abhängig ist die Heilung jedoch auch vom Alter, vom Fitnesszustand und vom bisherigen Verlauf der Krankheit. Ohne Behandlung ist eine Leukämie aber immer tödlich.

Die DKMS wird geboren

Lena Meyer-Landrut bei einer DKMS-Veranstaltung
Heute werben Promis wie Lena für die Arbeit der DKMS. Bild © picture-alliance/dpa

Gerhard Ehninger, der die Transplantation bei Unglaube durchführte, gründete später - beflügelt vom Erfolg dieser Behandlung - mit anderen Mitstreitern gemeinsam die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Deren Kampagne "Stäbchen rein, Spender sein" hat inzwischen sicher jeder von uns schon gehört. Heute sind weltweit 31 Millionen Menschen als potentielle Spender registriert. In Deutschland haben sich bereits 7,5 Millionen Menschen erfassen lassen.

"Ohne Spende wäre ich längst tot."

Alexander Unglaube genießt jeden Tag seines Lebens, als wäre es der letzte. Für ihn hat sich das Risiko mehr als gelohnt. Im Gegensatz zu früher hat sich die Behandlung natürlich stark weiterentwickelt. Die Typisierung ist viel ausgereifter. Das minimiert Abstoßungsreaktionen und somit Komplikationen.
Zusätzlich zur Transplantation bekommen die Patienten außerdem Chemotherapie und Bestrahlung, damit das fremde Genmaterial besser vertragen wird. Und auch die herkömmlichen Behandlungen von Blutkrebs wurden weiter verbessert. Nur wenn diese versagen, wird über eine Transplantation entschieden.

YOU FM Nachrichtenredakteurin Miriam erzählt von ihrer Stammzellenspende

YOU FM Nachrichtenredakteurin Miriam
YOU FM Nachrichtenredakteurin Miriam hat einen genetischen Zwilling - und hat ihm das Leben gerettet. Bild © YOU FM

Stammzellen zu spenden kann eine ziemliche emotionale Angelegenheit werden. Diese Erfahrung hat auch YOU FM Nachrichtenredakteurin Miriam gemacht.

Einige Jahre nachdem sie sich registrieren lassen hat, bekommt sie einen Anruf von der Stefan Morsch Stiftung, der ältesten Stammzellendatei in Deutschland. "Die wollten dann wissen, ob ich überhaupt noch in Frage komme" erzählt Miriam. "Also ob ich auch nicht schwanger bin oder selber erkrankt oder ob sonst etwas dagegen spricht." Im ersten Moment muss Miriam schlucken. Irgendwo auf der Welt läuft ein Mensch rum, der eventuell ein genetischer Zwilling ist. Sie denkt darüber nach, wie dieser Mensch wohl aussieht, ob er oder sie ihr ähnlich ist und denkt daran, dass dieser Mensch ohne ihre Hilfe womöglich stirbt.

"Man rechnet da nach so vielen Jahren ja nicht mehr mit. Man vergisst einfach, das man irgendwann typisiert wurde."

Nachdem Miriam sich einverstanden erklärt, wird ihr beim Hausarzt erneut Blut abgenommen, das mit dem Kurier wieder zurück an die Stiftung geht. Dort wird es bis in die Feinheiten geprüft. Die Wahrscheinlichkeit, dass Miriam wirklich ein genetischer Zwilling ist, liege bei 1: 3000, erklärt ihr damals die Stiftung.

Auf die Blutuntersuchung folgt die Voruntersuchung

Miriam knackt tatsächlich den Jackpot. Sie kommt als Spenderin in Frage. Kurz danach wird sie zur Voruntersuchung gebeten. Einen ganzen Tag lang wird sie auf den Kopf gestellt. Erneut wird Blut abgenommen, Ultraschall und EKG werden gemacht und es gibt weitere Aufklärungssgespräche. Erst nachdem klar ist, dass Miriam wirklich topfit ist, gibt es grünes Licht für die Spende.

Ein paar Tage vor der Spende muss Miriam sich Medikamente spritzen. Diese gaukeln dem Körper vor, er sei erkrankt. Nur so werden nämlich die begehrten Stammzellen ins Blut transportiert, von wo aus sie dann später entnommen werden können. Durch die Medikamente fühlt Miriam sich auch von Tag zu Tag kränker. Sie bekommt erst Rückenschmerzen und dann Kopf- und Gliederschmerzen und es geht ihr gar nicht gut.

"Ich habe mich gefühlt wie ein Weichei", erklärt Miriam weiter.

"Ich wusste, da bekommt irgendwo auf der Welt jetzt ein Mensch eine richtig heftige Chemotherapie. Nur damit meine Stammzellen vom eigenen Körper abgestossen werden. Und ich wusste auch, wenn ich jetzt abbreche, dann wird dieser Mensch sterben."

Miriam beißt die Zähne zusammen. Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Dass die Behandlung für sie so anstrengend ist, ist aber auch ein bisschen Pech. Miriam ist selbst eher zierlich und für ihre Empfängerin werden recht viele Stammzellen benötigt. Ein Mann, der gleichzeitig mit ihr Stammzellen entnommen bekommt, hüpft einfach fröhlich wieder von der Liege. Sein Empfänger, ein kleines Kind, benötigte nur verhältnismäßig wenige Stammzellen.

Patientin geheilt - Spenderin glücklich

Reppahn aus der YOU FM Morningshow interviewt Nachrichtenredakteurin Miriam
Miriam erzählt dem Reppahn aus der YOU FM Morningshow, wie emotional ihre Stammzellenspende war. Bild © YOU FM

Nach der Spende erfährt Miriam, dass sie für eine Frau, Mitte 40, aus den USA gespendet hat und das die Transplantation soweit gut gelaufen ist. Dann ist erstmal Funkstille.

Zwei Jahre später bekommt Miriam wieder einen Anruf der Stiftung. Die Frau hat überlebt. "Da hab ich dann doch ein paar Tränchen verdrückt" erzählt Miriam weiter. Auch wenn das Thema in ihrem Alltag abgehakt ist, fühlt sie sich der Empfängerin emotional verbunden. Und trotz der anstrengenden Behandlung, Miriam würde jederzeit wieder Stammzellen spenden. "Das ist ein ganz besonderes Geschenk und ich wünschte, noch mehr Menschen würden sich registrieren lassen."

Weitere Informationen

Mehr zum Thema

Auf der Seite der DKMS könnt ihr checken, ob ihr selber als Spender in Frage kommt. Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch, der zwischen 17 und 55 Jahren alt ist und nicht bereits bei der DKMS oder einer anderen Datei registriert ist, Stammzellspender werden.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: YOU FM, "Die YOU FM Morningshow", 28.07.2017, 05:00 Uhr

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