YOU FM
 
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14.07.2017

Facebook-Filterblase

Unterwegs mit rechtem Fake-Profil

 (Bild: colourbox)
Ende 2015 hat sich der Journalist Simon Hurtz bei Facebook ein Fake-Profil erstellt: den AFD-Fan "Tim". Im YOU FM Interview hat uns Simon erzählt, was er in der rechten Filterblase erlebt hat.
 

"Einblick in eine politische Welt, die mir sonst eher fremd ist."

Wir alle leben bei Facebook und Co. in unserer eigenen kleinen Parallelwelt. Stichwort: Filterblase. Alles, was nicht in unser Meinungsbild passt, wird uns erst gar nicht angezeigt.
 

Gestatten: Tim

 (Bild: Simon Hurtz)
Simon Hurtz, Journalist bei der Süddeutschen Zeitung, schreibt vor allem über Digitales.
Simon wollte raus aus seiner Blase. Er selbst beschreibt sich als "eher linksliberal". Deshalb hat er Tim erschaffen. Den autobegeisterten Bayern-Fan, der auf Facebook die AFD likt.

"Ich wollte keine Karikatur erschaffen, keinen Rechtsradikalen."

Nach dem AFD-Like werden Tim viele andere Seiten vorgeschlagen. Er likt alles, was ins Profil "besorgter Bürger" passt: Er hat Angst vor Flüchtlingen, ist wütend auf Politik und "Lügenpresse".

Was Tim nicht likt, ist die NPD, denn rechtsradikal soll Tim nicht sein.
 

Eine der größten Überraschungen: Hunderte Freunde

Schon nach ein paar Stunden kommen die ersten Anfragen: Menschen wollen sich mit Tim anfreunden. Und zwar echte Menschen, nicht bloß offensichtliche Bots oder Spam-Profile.

Tims neue Freunde haben vieles mit Tim gemeinsam. In seiner Timeline dominieren drei große Feindbilder: Geflüchtete, Politiker und Medien. Die Stoßrichtung ist meistens: "Wir gegen die."


 

"Was ist, wenn die Rechten doch recht haben?"

In der Hochphase der Flüchtlingskrise ist Tims Timeline voll mit Meldungen über kriminelle Flüchtlinge. Was das mit ihm machen würde, hat Simon krass unterschätzt:

"Mir war nicht klar, welchen psychologischen Effekt das auf mich haben würde. Ich konnte zum ersten Mal ansatzweise die Meinung von Menschen nachvollziehen, für die Facebook eine deutlich wichtigere Informationsquelle ist als für mich."

Simons Fazit nach gut anderthalb Jahren Tim: "Es ist wahnsinnig einfach, nur einen beschränkten Teil der Welt wahrzunehmen – und den dann für das komplette Bild zu halten."
 

Wie funktioniert eine Filterblase?

Seiten wie Facebook entscheiden per Algorithmus, welche Inhalte es in den Newsfeed schaffen. Der Algorithmus ist so programmiert, dass er uns eher die Inhalte anzeigt, die mit unseren bisherigen Ansichten übereinstimmen. Von anderen Ansichten sind wir so weitgehend isoliert – wie in einer Blase.


Worauf ihr achten könnt:

Wir alle bauen uns unsere Filterblasen auf Facebook selbst – durch Freunde, die wir adden und Dinge, die wir liken.

Ab und zu solltet ihr euch das bewusst machen. Gerade bei wichtigen Themen lohnt es sich, auch mal nach ganz unterschiedlichen Quellen Ausschau zu halten. Und die eigene Filterblase wenigstens für einen Moment zu verlassen.
 

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Redaktion: anzi
Bilder: © colourbox (1), © Simon Hurtz (1)
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